Gute Geschichte: Brüderlichkeit

Foto: Crystal

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Es waren einmal zwei Brüder, die auf einem Bauernhof lebten, den sie von ihren Eltern geerbt hatten. Der ältere war verheiratet, der jüngere ledig. Von morgens bis abends arbeiteten sie zusammen auf dem Hof. Dann teilten sie jeden Abend die Ernte zu gleichen Teilen unter sich auf.

Eines Nachts jedoch dachte sich der Junggeselle: „Eigentlich ist es ja weder gerecht noch richtig, das Korn halb und halb zu teilen. Ich bin alleinstehend und brauche doch nicht viel.“ Also brachte er heimlich und ohne dass ihn jemand dabei beobachtet hätte, einen Sack Getreide zum Haus seines älteren Bruders.

Zur gleichen Zeit dachte sich der verheiratete ältere Bruder: „Eigentlich ist es ja weder gerecht noch richtig, das Korn halb und halb zu teilen. Ich bin verheiratet, habe Frau und Kinder. Wenn ich einmal alt bin, werden meine Kinder für mich sorgen. Mein kleiner Bruder hingegen hat niemanden.“ Also brachte auch er, heimlich und ohne dabei beobachtet zu werden, einen Sack Getreide zum Haus seines jüngeren Bruders.

So machten sie es fortan jede Nacht und wunderten sich nur darüber, dass sie gar nicht weniger Getreide als früher hatten. Eines Nachts jedoch passierte das Unvermeidbare: Als beide gerade dabei waren, den Sack vor die Tür des anderen zu legen, stießen sie gegeneinander. Da standen sie sich gegenüber, jeder von ihnen mit einem Sack über der Schulter und ihnen wurde klar, was ihnen jahrelang so merkwürdig vorgekommen war: Beide hatten die ganze Zeit über heimlich füreinander gesorgt. Sie legten die Säcke auf den Boden und umarmten sich in tiefer Dankbarkeit und Liebe.

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