Human Design: Der Projektor

humandesignVon Chetan Parkyn. Der Projektor: „Anerkennung und Einbeziehung“. Projektoren haben ein offenes Sakralzentrum und keine aktive Verbindung von einem Motor zur Kehle. Warten. Hinter den Kulissen. Auf das Rampenlicht warten. Auf die Einladung warten. Das ist der Kern eines Projektorlebens – die Sehnsucht danach, im eigenen Wert anerkannt und einbezogen zu werden. Wenn der Projektor dann eine anerkannte Position hat, ist er ein sicherer Darsteller, Regisseur, Organisator, Manager, Führer, Visionär und Beauftragter für alle möglichen Angelegenheiten. Wenn Sie Projektor sind, haben Sie zweifellos Ihre eigenen Fähigkeiten und Begabungen, aber Ihre wahre Natur macht es erforderlich, dass diese zuerst anerkannt werden, wenn sie erstrahlen sollen. Sich dessen bewusst zu sein ist entscheidend für Ihre persönliche Erfüllung.

Ich verrate Ihnen, dass auch ich zu den etwa 21 Prozent der Weltbevölkerung gehöre, die diesen Typ ausmachen (zu welchem Typ Sie gehören, hier persönliches Chart kostenlos erstellen.). Während die drei vorausgegangenen Typen ihren Antrieb in sich selbst haben, ist es beim Projektor häufig so, dass er in einer Beobachterposition ist und darauf wartet, zur Beteiligung aufgefordert zu werden. Ich kann also das Gefühl nachempfinden, dass es manchmal ein Kampf ist, „gesehen“, verstanden oder geschätzt zu werden für alles, was man zu bieten hat, bevor man überhaupt die Chance bekommt zu handeln und etwas beizutragen.

Bei Ihnen ist keine Lebenskraft-Energie ständig damit befasst, zu generieren und keine Motor-Kehle-Verbindung liefert die Tatkraft zum Manifestieren. Sie haben eine ruhige, gelassene Art, die man als „leicht, aber sicher“ und „fest, aber fair“ beschreiben könnte. Wenn Sie einen Raum betreten, ist der erste Eindruck, dass Sie anscheinend begierig darauf sind, mit jedem in Verbindung zu kommen, irgendwie Anschluss zu finden und voller Verlangen – manchmal auch angestrengt bemüht –, Anerkennung zu finden. Passen Sie auf, dass solche Begeisterung nicht umschlägt in übertriebenes Bemühen. Das Bedürfnis bemerkt zu werden gehört zu den Faktoren, die Sie ausmachen, aber nur, wenn es von selbst geschieht. Sie müssen sich auch gar keine Sorgen machen. Es ist ein Naturgesetz, dass die Leute sich tatsächlich zu Ihrem angeborenen „Projektionsfeld“ hingezogen fühlen. Was sie da anzieht, sind bestimmte Eigenschaften in Ihren Zentren, ganz abgesehen von Ihrer heiteren, allwissenden Ruhe. Sie sind potenziell ein idealer Netzwerker, der diese Person mit jener in Verbindung bringen und nach Herzenslust Beziehungen stiften kann. Genauso können Sie sich aber auch im Verborgenen halten und sich nicht engagieren.

Ich necke Projektoren oft damit, dass es wichtig sei, einen bequemen Sessel zu haben, in den man sich ohne Schuld- oder Schamgefühle fallen lassen kann, wenn nichts geschieht. Sie sollten lernen, die Windstille im Leben zu genießen, und den Teil Ihres Wesens wirklich annehmen, der Sie mehr zu einem Zuschauer als zu einem
Hauptakteur macht. Projektoren können von Natur aus gut anleiten und managen und sind ideale Führer, Organisatoren, Coaches und Verwalter, die alles überblicken.
Sie kommen in Ihre eigentliche Kraft, wenn Sie die Menschen und Energien um Sie herum lenken, gestalten und leiten. Es ist tatsächlich so, dass manche Leute ohne Ihre
objektive Unterstützung nicht wissen, wie sie ihre Energie nutzen sollen. Das heißt nicht, dass Sie nicht selbst mitten ins Getümmel hineingezogen werden können, aber damit das erfüllend wird, brauchen Sie zuerst Anerkennung in Form einer Einladung. Das ist die Hauptkomponente Ihres Wesens: Es ist wichtig, dass Sie zuerst Anerkennung bekommen, wenn Sie Ihre Kraft voll entfalten sollen.

Dann, und nur dann, können Sie das Spielfeld betreten und stillen Beifall und offensichtliche Bewunderung entgegennehmen. Anerkennung und Einladungen lassen Sie aufblühen und es ist wichtig, dass Nicht-Projektoren das verstehen. Was genau ist eine Einladung? Das kann von einer Karte mit Goldprägung und „U.A.w.g.“-Hinweis bis zu einer Einladung gehen, die als Frage, Nebenbemerkung oder Blick verkleidet ist. Es kann auch ein inneres Gefühl wie ein Ruf sein, dass Sie zu etwas hingezogen werden. Es ist alles oder jeder, das bzw. der Ihre Beteiligung sucht und dabei wirklich Ihre Qualitäten anerkennt. Das bedeutet nicht, dass Sie offensichtlicher Schmeichelei und Kriecherei zum Opfer fallen sollten. Eine Einladung wird keine Resonanz auslösen, wenn da jemand Ihre „enormen sportlichen Leistungen“ preist, Sie aber in Wirklichkeit keinerlei Eignung für diese Rolle besitzen. Die Anerkennung muss authentisch sein und muss Ihren Wert anerkennen. Es geht nicht um das Ego, sondern um Wertschätzung. Ihre wahre Natur macht das absolut erforderlich.

Als Projektor sollten Sie vorsichtig damit sein, wie viel geborgte Energie Sie durch Ihr System laufen lassen. Müdigkeit und Erschöpfung sind Ihre Achillesferse. In
einer Umgebung voller Druck und starker Energie, in der Sie das „Los, los, los“ aller anderen übernehmen, besteht die Gefahr, dass bei Ihnen eine innere Sicherung
durchbrennt. Hüten Sie sich davor, mit Manifestoren, Generatoren und Manifestierenden Generatoren Schritt halten zu wollen und sich dem Einsatz anderer anzupassen,
sonst droht die Gefahr, dass Sie sich bis fast zum Kollaps erschöpfen. Seien Sie offen für Pausen, Siestas und kurze Nickerchen. Vergessen Sie nicht, wo Ihr Sessel
steht! Diese energetischen Einschränkungen erfordern Beachtung.
Ein Fehler, den ich als Projektor gemacht habe, war, dass ich mich immer wieder über meinen inneren Widerstand hinwegsetzte und mich selbst überredete, etwas Bestimmtes zu tun oder mich anderen anzuschließen, wobei ich vorgab, von Natur aus dazu eine Neigung zu haben. Ich wollte dazugehören und zwang mich, mich mitten ins Getümmel zu stürzen. Und wenn ich dann verächtlich behandelt, nicht beachtet oder missverstanden wurde, aber immer noch in Verpflichtungen verwickelt war, fragte ich mich, wieso. Heutzutage warte ich immer den Anerkennungsund Einladungs-Prozess ab. Insofern hängen wir Projektoren immer herum und warten auf unseren Einsatz. Aber es macht einen himmelweiten Unterschied aus im Hinblick darauf, wie wohl wir uns in bestimmten Situationen fühlen. Letztendlich geht es um ein Gefühl von Zugehörigkeit.

Als Projektor werden Sie den inneren Druck kennen, wegen Ihrer Talente und Fähigkeiten anerkannt zu werden. Es kann schnell eine gedrückte Stimmung oder ein Gefühl von Verzweiflung in Ihnen entstehen, wenn es so aussieht, als würde man Sie übergehen oder ignorieren. Sie werden sich oft fragen: „Was muss ich denn tun, um beachtet zu werden?“ oder „Warum werde ich dauernd übersehen?“ Manche Projektoren gehen mit dem frustrierenden Gefühl nicht genutzten Potenzials durchs Leben, aber wenn Sie Geduld lernen und die Demut, sich einzugestehen, dass nicht überall Ihre Beteiligung benötigt wird, kann die Frustration nachlassen.

Die gute Nachricht ist, dass ein Human-Design-Reading sich auf einen Projektor sofort auswirkt, weil hier seine wahre Natur anerkannt wird und er sich gewürdigt
und wertgeschätzt fühlt. Am Arbeitsplatz haben Sie als Projektor vielleicht das Gefühl, im Schatten der mehr energiebetonten Typen und ihrer Leistungen zu stehen. Wenn ich der Geschäftsführer einer Firma wäre, würde ich Wert darauf legen, dass meine Projektoren an der Spitze der Planungs- und Managementabteilungen stehen, weil sie als geborene Leiter und Lenker – und ohne das Ungestüm des Sakralzentrums – einen guten Blick dafür haben, wie die Wirbelwind-Energie der anderen am besten einzusetzen ist. Projektoren sind wendig, da sie nicht an das Sakralzentrum gebunden und daher in der Lage sind, Geschwindigkeit und Richtung im Nu zu ändern.

In Beziehungen können Projektoren es nicht ertragen, wenn sie einfach als selbstverständlich betrachtet werden oder wenn man ihnen sagt, wie sie handeln sollen. Anerkennung und Einladung sind hier zentral wichtig. Als Partner möchten Sie, der Projektor, in Ihrem Wert anerkannt und dazu eingeladen werden, etwas zu tun, selbst wenn es sich um Hausarbeit handelt! Ihr Partner sollte auch Ihr Bedürfnis nach Ruhe und Erholung achten. Es könnte durchaus passieren, dass Sie beschuldigt werden, „schwach“ und „faul“ zu sein, aber Sie sind nun mal nicht mit natürlichenEnergiereserven geboren. Das hat andererseits den Vorteil, dass Sie die Energie Ihres Partners lenken helfen und dafür sorgen können, dass seine Kraft immer erhalten bleibt. Sie sind geschickt darin, eine Beziehung zu führen, und haben vielerlei Ideen und Vorschläge dafür zur Hand, wie das Zusammensein noch besser und schöner werden kann. Sie bringen den ausgewogenen Blickwinkel ein, der den Wald trotz aller Bäume noch sieht. Projektoren bringen viel Abwechslung und frischen Wind in eine Beziehung; sie sind die geborenen „Vernetzer“ und Organisatoren.

Wenn Ihr Kind ein Projektor ist, wird Ihnen als Erstes auffallen, dass es nicht von Haus aus voller Energie und Tatkraft ist. Halten Sie es aber nicht für faul oder träge. Sie werden auch merken, dass das Kind Dinge tut oder Gesten macht, einfach nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Durchschauen Sie das und verstehen Sie, was
dahintersteckt: Dieses Kind braucht Anerkennung. Es ist wichtig, jede Eigenschaft, jede seiner Fähigkeiten und jede seiner guten Taten zu würdigen, egal, wie unbedeutend sie sein mögen. Es gibt für ein Projektorkind nichts Verstörenderes, als wenn es nicht anerkannt wird oder nicht den Stolz seiner Eltern erringen kann.

Das Bedürfnis nach Anerkennung kann sich manchmal auch als Bedürftigkeit zeigen, auch in Beziehungen Erwachsener. Hier „klammert“ aber niemand, sondern der Projektor will einfach nur seine Liebe, seine Gefühle und seine Position anerkannt haben. Nur sehr wenige Projektoren wünschen sich, allein durchs Leben zu gehen, denn sie brauchen es, die Energie eines anderen Menschen anzapfen zu können und daraus Antrieb und Nahrung zu ziehen. In Isolation können sie zwar funktionieren, aber nicht gedeihen.

Was Sie im Leben erreichen, hängt für Sie als Projektor davon ab, ob Sie sich in die richtige Gesellschaft und die richtige Umgebung hineinziehen lassen können. Wenn Ihre Begabungen und Fähigkeiten wirklich anerkannt werden, werden Sie sich bestärkt und voller Kraft fühlen. Der Unterschied zwischen Anerkannt- und Nicht-Anerkannt-Sein ist wie Tag und Nacht für Sie und absolut wesentlich für Ihr Wohlbefinden und Ihre Zufriedenheit. Anerkennung ist alles – und fördert das Beste in Ihnen zutage.

humandesignAbdruck mit freundlicher Genehmigung des Lüchow Verlages weitere Auszüge aus dem Buch Human Design: Entdecke die Person, die Du wirklich bist von Chetan Parkyn.

Hintergrund: Das Human Design System, 1987 entstanden, ist ein Werkzeug der Selbsterkenntnis für die Neue Zeit. Die Informationen, die sich in den astrologischen Positionen am Himmel zeigen, werden hier mit Elementen aus I Ging, Chakrenlehre und Kabbala verbunden und in ein schematisches Abbild des menschlichen Körpers übertragen. Das komplexe System arbeitet mit der uralten Annahme, dass unser Geburtsmoment untrennbar mit der davor abgelaufenen “Programmierung” unserer Gene und unserer Entwicklung verbunden ist. Zusätzlich zur „normalen“ Berechnung zum Geburtszeitpunkt werden in einer zweiten astrologischen Berechnung die Planetenpositionen drei Monate davor (genauer: 88 Grad im Kreis des Sonnenlaufes zurück) berechnet. Zu diesem Zeitpunkt verbindet sich der Körper des Fötus mit seinem Persönlichkeitsbewusstsein: „Eintritt der Seele”. Während die Konstelllationen zum Geburtszeitpunkt die bewussten Anteile der Persönlichkeit kennzeichnen, gibt die zweite astrologische Berechnung Hinweise auf das Unbewusste. Mehr zu Human Design hier. Als Abonnent der newslichter bekommts Du einen kostenlosen Zugang zu den Audio-Podcasts von Simone Niehus über jeden einzelnen Typen. Hier ein Abo nehmen.

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4 Kommentare zu “Human Design: Der Projektor
  1. Daniela Ellenberger sagt:

    Herzlichen Dank für deine tolle Beschreibung!

  2. Baumann Gisela sagt:

    Super verständliche Beschreibungen auch für Menschen die noch nie vom Human Design
    gehört haben. Basiswissen für jedermann.

  3. Barbara Sterzer sagt:

    Wunderbare Beschreibung für mich als Projektor.
    Bin tatsächlich im Burnout und Verbitterung gelandet und versuche gerade zu verstehen wie ich ticke und wieso es früher auch schon geklappt hat.
    Das mit dem Widerstand kenn ich gut und auch das Initiieren.
    Da jetzt die Kurve zu kriegen, ist nicht einfach.
    Vielen Dank für diese gut verständliche Beschreibung.

    • Bettina Sahling sagt:

      Ja ich verstehe seitdem auch mich und meine Mitmenschen besser. Wenn Du tiefer gehen willst, kann ich Dir Simone für die Erstellung eines tiefergehenden persönlichen Profils nur empfehlen!

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