Dankbarkeit – Eine E-Mail aus Bayern

Foto youtube: Ammar

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Liebe Leute in Wendland (Es folgt eine ganze Reihe von Namen) und die anderen.

Ich mag euch sehr sehr sehr. Ich werde das nicht vergessen dass ihr mir geholfen habt und ihr mich unterstützt habt. Ohne euch konnte ich das nicht schaffen. Wirklich habt ihr mir eine große Hoffnung gegeben. Ich versuche in der Zukunft etwas zurückgeben. Ich will mich gerne revanchieren.

Ich danke euch sehr für eure Unterstützung. Sie macht mich stärker und ich habe viel zu viel von eurer Menschlichkeit gelernt und ich will gerne wie ihr sein.

Ich danke euch für das schöne Mitgefühl und wirklich bin ich sprachlos. Ich kann euch nicht beschreiben. Ihr wart wirklich meine Familie, Freunde und Unterstützer. Ich habe das gesagt und jetzt bestätige ich es noch einmal und es wird auch bleiben. Ich betrachte euch echt als meine Familie und Brüder und Schwestern.

Meine Geschwister ich hoffe gern in der Zukunft noch mal in Wendland zu leben. Ich kann zwischen euch kreativ sein. Mag euchhhhhh !

Liebe Geschwister, momentan hoffe ich mit euch mit wenig Sekt zu feiern. Aber schade – ich muss jetzt viel erledigen. Aber wir können später machen, weil ich jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung habe (kein Problem).

Ich muss etwas sagen: Früher habe ich geglaubt, dass es keine Menschlichkeit mehr gibt, aber jetzt mit euch, mit eurer guten Arbeit und eurem Gefühl verändert es bestimmt. Ihr bedeutet die Menschlichkeit, die Freiheit, die Gerechtigkeit, die Gleichheit. Ich bin sehr stolz auf euch, stolz auf meine Familie, auf meine Geschwister .

Schade, habe ich in Syrien dafür gekämpft. Aber ich konnte das nicht schaffen. Aber es klappt hier in Deutschland, in Wendland, in Hitzacker mit und bei euch. Es ist auch sehr schön, dass man seine kleine Welt findet.

Liebe Leute, ich habe eine große Sehnsucht zu euch und zu meinem Nest in Hitzacker zu meinen netten Nachbarn (…) zu vielen Dingen. Ich verspreche euch einen baldigen Besuch und dann können wir Angesicht zu Angesicht reden und die Wörter treten sofort in unseren Herzen ein.

(…) Ich bin so froh, so glücklich, weil ich so faszinierende Leute habe.

Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg .

Mit herzlichen Grüßen,
Euer Ammar

Quelle: Blickpunkt Johannis (Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinde Hitzacker) Winter 2015-12-17. Pastor Jens Rohlfing schreibt:
„Diese E-Mail von Ammar Obaid, unserem syrischen Kirchenasyl-Sommergast, hat uns in der Redaktion und im Kirchenvorstand so gerührt, dass wir sie hier leicht gekürzt abdrucken. Ammar ist glücklich, dass er vor kurzem eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre bekommen hat. Er ist sehr aktiv in der Unterstützung seiner syrischen Landsleute in München. Der Stil seiner Mail erinnert mich stark an die Briefe des Apostels Paulus. Der kommt ja auch aus derselben Gegend wie Ammar.“

Hintergrund: Die Kirchengemeinde Hitzacker hatte im Februar 2015 Ammar Obaid, einem syrischen Bürgerrechtler Kirchenasyl gewährt. Auf seiner Flucht vor dem IS in Syrien über die Türkei und Griechenland war der 32jährige in Ungarn unter unmenschlichen Bedingungen mehrere Monate interniert worden. Dann drohte ihm die Abschiebung dorthin.

Weil alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft waren, brauchte Ammar Obaid eine sichere Bleibe, bis die Behörden den Fall neu prüfen können. Ein Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum, sondern das letzte Mittel, um in einem besonderen Einzelfall einem Menschen zeitlich begrenzt Zuflucht zu gewähren. Ein Unterstützerkreis kümmerte sich um Ammar. Im August 2015 hatte es sein Ziel erreicht, nicht nach Ungarn abgeschoben zu werden. Sein Asylantrag wird nun in Deutschland bearbeitet. Dafür musste er zurück nach Bayern. Im Video erzählt Ammar Obaid, warum er fliehen musste, er beschreibt seine Arbeit in einer Schule, denn er glaubt daran, dass Worte und Wissen die richtigen Waffen sind – nicht Krieg und Zerstörung.

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Ein Kommentar zu “Dankbarkeit – Eine E-Mail aus Bayern
  1. Cornelia Mohrig sagt:

    „Wer klopfet an ? “ diesen Wechselgesang sang ich schon als Kind mit Mitschülerinnen in der Schule gern … so wiederholt sich Geschichte … Frieden auf Erden wird jetzt schon seit Jahrtausenden gewünscht ! Die Hoffnung gebe ich nicht auf : Danke, liebe Newslichter für die Mail von Ammar und die Worte der unterstüzenden Kirchengemeinde in Hitzacker.. einer früheren Schaltstelle für Flüchtende von Ost nach West oder West nach Ost … Cornelia Mohrig, Der Orden Ginkgo Biloba , Gemeinschaft zur Förderung und Wahrung der Kulturen und des Friedens, Hannover

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