Zu Besuch in der Engelwirkstatt

Foto: Sabrina Gundert

Von Sabrina Gundert. In der Engelwirkstatt von Gilia Auth, in der Nähe von Freiburg, entstehen Engel aus zerbrochenen Muscheln, rostigen Metallstücken und zerfruchten Baumrinden. Aus dem „Strandgut des Lebens“, wie Gilia Auth es nennt.

Es sind Engel, die nicht perfekt-glänzend sind, sondern lebendig-unvollkommen. Warum diese Engel gerade in ihrem Unperfektsein so heilsam wirken können – und wie sie entstehen, in einem Raum jenseits der normalen Zeit –, darüber sprechen Gilia und ich im Interview. Ein Wirkstattbesuch.

Gilia Auth Foto: Sabrina Gundert

Gilia, was mich an den Engeln, die in deinen Händen entstehen, so anspricht, ist ihre Echtheit: zerbrochene Muscheln, rostige Metallstücke, kantige Steine, zerfurchte Baumrinden – die Engel sind nicht glänzend perfekt, sondern echtes Leben. Vielleicht wirken sie deshalb so real.

Gilia: Ich sammle Materialien, die schon ein gelebtes Leben hinter sich haben: vom Meer gewiegt, von der Sonne gebleicht, vom Mensch genutzt, vom Wind durchlöchert. Sie haben eine ganz eigene Schönheit und zeigen in ihrer Transparenz, wie vergänglich Materie doch ist, lassen so das Geistige durchscheinen.

Das rührt mich, wie auch die Menschen, die die Engel betrachten, an. Wird beispielsweise der Kopf eines Engels als Mohnkapsel erkannt, taucht oft in den Gesichtern der Schauenden ein zärtliches Lächeln auf. Wir erkennen uns in den Engeln wieder, weil sie – wie wir – einmalig und nicht perfekt sind. Vielleicht hilft uns dies Frieden zu schließen mit unserer eigenen Unvollkommenheit.

Zugleich steckt darin für mich etwas zutiefst Heiles – ein Heilsein im Unvollkommensein.

Foto: Sabrina Gundert

Wie bist du zu den Engeln gekommen?

In einem Urlaub vor 25 Jahren habe ich Landart entdeckt. Ich habe meinen ersten Steinkreis in den französischen Cevennen gestaltet. Katzen, Hunde und Engel aus Steinen gebaut und zugeschaut, wie der Wind sie wieder verwehte. So wurde die Idee geboren und die Sammelleidenschaft ergriff und beflügelt mich bis heute.

Zuhause sind dann die standhafteren  Engel entstanden. Als alle Freundinnen beschenkt waren, kam 2004 der Impuls: „Zeig uns mal der Welt!“ – wie eine Aufforderung der Engel selbst. Ich machte eine erste Ausstellung, dann weitere. Wurde online sichtbar, auf Märkten und in meiner Engelwirkstatt.

Was bedeuten die Engel für dich?

Engel sind für mich Mittler zwischen den Welten. Zwischen dem Erdenleben und dem Himmel. Ich bin eine Seele, die hier auf der Erde lebt. Hier ist mein Lernfeld, in dem es um inneres Entwickeln und Reifen geht und die Engel begleiten mich dabei.

Ich bin katholisch aufgewachsen und dann einen spirituellen Weg gegangen. Engel, so ist meine Erfahrung, haben für alle Menschen etwas Tröstendes, Verbindendes.

Wie erlebst du die Engel in deinem Leben?

Ich kann die Engel spüren. Sie schützen mich, inspirieren mich und helfen mir auf meine Bitte hin auf vielfältige Weise. Manchmal sind sie wie eine innere Stimme, die mich leitet und mir auch ganz praktische Tipps gibt: „Achtung, nicht zu fest bohren!“. Die mich im hintersten Winkel der Werkstatt den passenden Flügel finden lässt.

Liegt dann ein Engel fertig in meiner Hand, ist es immer ein freudiges Erstaunen, ein: „Wo kommst du denn her?“. Ich sehe mich als ein Werkzeug, das zusammenfügt, was zusammengehört.

Foto: Sabrina Gundert

Wie entstehen die Engel in der Engelwirkstatt?

Beginne ich mit der Arbeit in der Werkstatt, räuchere ich oft zunächst, singe ein Lied, stimme mich ein. Ich stelle Telefon und Handy ab, nehme mir ein Zeitfenster, das es mir erlaubt, in Ruhe einzutauchen in einen zeitlosen Raum. In dem mein Ich zurücktritt und ich Schöpflöffel werde.

Es ist wie ein anderer Raum, den ich dabei betrete. In dem ich selbst immer leerer werde und zuschaue, aus welchen Materialien der Engel in meiner Hand entstehen will.

Wie finden deine Engel zu den Menschen – oder umgekehrt?

Bin ich auf Märkten oder kommen Menschen hier zu mir in die Engelwirkstatt, höre ich oft: „In diesen Engel habe ich mich verliebt.“
Jeder Engel strahlt eine andere Energie aus: Es gibt die Bodenständigen, die Luftigen, die Kraftvollen und die Beschützenden. Manchmal ergänzt der erwählte Engel das Eigene, manchmal spiegelt er die eigene Energie und Körperform wieder.

Menschen, die schon viel Schmerz und Leid erlebt haben, fühlen sich oft von Engeln angesprochen, deren Materialien durchs Feuer gegangen sind. Körper aus verkohltem Holz, Flügel aus geschmolzenem Plastik, erinnern an den Phönix aus der Asche und sind Hoffnungsbringer.

Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie zuhause mit ihrem Engel sprechen – oder dieser mit ihnen. Auch, dass der Engel sie erinnert: an ihr Inneres, ihr Seelesein, an das Sanfte, Zärtliche in ihnen.

Und ich bin sicher: Engel freuen sich über unseren Auftrag, unsere Bitte, damit sie uns in unserem Leben unterstützen können.

Foto: Sabrina Gundert

Gibt es für dich so etwas wie einen Auftrag, der mit deinem Tun in der Engelwirkstatt verbunden ist?

Wenn aus dem Strandgut des Lebens Engeln entstehen können, ist doch auch für uns jede Form von Transformation möglich.
Vielleicht bringen uns die Engel ebenso ein wenig Dankbarkeit und Achtsamkeit mit dem, was die Erde uns schenkt.
Und in den Gesprächen auf Märkten und hier, bei der Offenen Tür in der Engelwirkstatt, entstehen Begegnungen, die Heilsames, Wärmendes und Tröstendes  haben. Dann sind wir uns gegenseitig Engel.

Liebe Gilia, von Herzen Danke, für diese so schöne, inspirierende, gemeinsame Zeit bei dir in der Engelwirkstatt!

Kontakt Gilia Auths Arbeit gibt es online (ganz schön auch der Engelkalender 2018) in ihrer Engelwirkstatt und auf Märkten hier.

Sabrina Gundert

Sabrina Gundert begleitet Frauen mit ihren Coachings, Seminaren und Büchern auf dem Weg zurück zu sich selbst, in ihre Kraft und zu ihrer Essenz. Und damit zu dem, was ihnen wirklich, wirklich wichtig ist. www.sabrinagundert.de

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