Bewusste Nahrung in der Fastenzeit

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Bettina und ich tauschen uns über meinen nächsten Artikel bei den newslichtern aus und das Thema „Fasten“ steht im Raum. In mir regen sich Gedanken an den zeitweisen Verzicht von lieb gewonnenen Lebensmitteln, an Intervallfasten und an das Fasten als Möglichkeit der inneren Reinigung. Gleichzeitig denke ich auch an meine lange „Fastenzeit“ in der ich acht Monate lang so wenig gegessen habe, dass ich mich in gewichtstechnisch gefährliche Bereiche hinein gehungert hatte.

Und mir stellt sich die Frage, wie ich das Thema „Fasten“ aufgreifen könnte, ohne dass es die Frauen, die mir so sehr am Herzen liegen, noch mehr in ihre Muster aus Verzicht und Entbehrung stürzt. Denn die innere Stimme der Essstörung nutzt jedes Argument, das in ihrem Sinne ist, und sehr überzeugend erklärt sie den Betroffenen dann immer wieder, warum es vermeintlich gut ist, jetzt in diesem Moment nichts zu essen.

Oh, wie dankbar bin ich, als Bettina den Impuls bringt, dass Fasten nicht unbedingt ein Weniger bedeuten muss, sondern dass es auch darum gehen kann, etwas anderes bewusst mehr zu machen – auch in Bezug auf geistige Nahrung.

Diese Erkenntnis öffnet mir in vielerlei Hinsicht die Augen und es erscheint mir auf einmal so logisch, sich nicht auf den Mangel, sondern die Fülle zu konzentrieren.

Der Verzicht auf negative Gedanken

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin damals, als die Essstörung noch ein Teil meines Lebens war, sehr, sehr kritisch mit mir und meinem Körper umgegangen. Täglich stand ich vorm Spiegel und habe sehr genau analysiert, was mir an meinem Körper alles nicht gefällt.

Damals wusste ich noch nicht, welche Macht die Geschichten, die wir uns tagtäglich über uns selbst erzählen, über uns haben. Für mich war es normal, sehr abwertend über meinen Körper zu denken und entsprechend mit ihm umzugehen und ich weiß, dass es vielen Frauen, die von einer Essstörung betroffen sind, ähnlich geht. Und selbst Menschen, die keine Essstörung haben, sind diese Selbstkritik und diese Selbstabwertung nicht selten in abgeschwächter Form vertraut.

Doch was bringt es uns, wenn wir auf diese Weise über uns und unsere Körper denken und mit ihnen sprechen? Letztendlich schafft es Unfrieden und Unzufriedenheit. Und wie wäre es denn, wenn wir auf hasserfüllte Gedanken uns selbst gegenüber verzichten und stattdessen das nähren, von dem wir mehr in unserem Leben haben wollen?

Die Ausrichtung auf einen freundlichen Umgang

Natürlich lässt sich nicht einfach der Schalter umlegen und auf einmal sind die Gedanken positiv. Denn Veränderungsprozesse brauchen Zeit und wenn du dir über viele Jahre immer wieder die gleichen Geschichten über deinen Körper erzählt hast, dann sind sie zu deiner Wahrheit geworden, die du nun mit jeder Zelle verkörperst.

Doch die Fastenzeit kann – wie Bettina es so schön formuliert hat – eine Möglichkeit sein, um bewusst etwas anders zu machen.

Diese Veränderung kann in den Gedanken beginnen: Wenn du dir viele Jahre erzählt haben solltest, was du an deinem Körper nicht magst, so überleg doch mal, was du magst. Das kann etwas ganz Kleines sein – deine Haare, deine Augen, dein kleiner Finger oder dein großer Zeh. Und dann fühle zu diesem Ort in deinem Körper hin und nimm wahr, was du fühlen und spüren kannst. Vielleicht fühlst du Dankbarkeit und Freude, vielleicht spürst du Entspannung und Leichtigkeit. Auch wenn es nur ein ganz kleiner Bereich deines Körpers ist, der solche Gefühle und Empfindungen auslöst – sie sind in dir und du darfst sie bewusst wahrnehmen.

Vielleicht magst du auch mal beobachten, mit was für einer inneren Haltung du dir vor dem Spiegel begegnest. Wenn der innere wie auch der äußere Blick von Anfang an kritisch sind, so wird auch die Begegnung mit deinem Spiegelbild vermutlich eine sehr kritische sein.

Wenn du dich aber wohlwollend betrachtest und dir vielleicht sogar ganz bewusst ein Lächeln schenkst, so werden ganz andere Gedanken, Gefühle und Empfindungen in dir entstehen.

Das Auftanken durch Selbstberührung

Möchtest du noch weiter gehen und dich noch bewusster und intensiver auf einen friedvollen und liebevollen Umgang mit deinem Körper ausrichten, so kann Selbstberührung sehr helfen, diese Freundlichkeit und Wertschätzung sehr praktisch zu spüren.

Denn über Selbstberührung kannst du dir das Wohlwollen, mit dem du dich auf geistiger Ebene fütterst, auch über die körperliche Ebene geben. Und da Berührungen sehr viele angenehme Gefühle und ein hohes Maß an innerer Ruhe auslösen können, wird auch die emotionale Ebene mit einbezogen. Du kannst das Gute, das Friedvolle, das Entspannende und das Nährende, von dem du mehr in dein Leben holen möchtest, ganz bewusst erfahren, erleben, fühlen und spüren.

Wenn du magst, dann schaff dir neben achtsamen Gedanken und einem täglichen, freundlichen Blick in den Spiegel gerne auch Zeiten, in denen du dir etwas Gutes tust, dich selbst berührst und dabei mit jeder Zelle deines Körpers auftankst. Denn das sind die Zeiten, in denen du nicht den Mangel nährst, sondern in denen du dich bewusst auf Fülle ausrichtest, um davon mehr in dein Leben zu holen.

Ich wünsche dir eine wundervolle Fastenzeit, in der du bewusst auf negative Gedanken dir selbst gegenüber verzichtest und in der du dich auf geistiger, emotionaler und körperlicher Ebene nährst, um dadurch einem liebevollen und fürsorglichen Umgang mit dir selbst ein kleines Stück näher zu kommen.

Dorothea Ristau

Zur Person: Dorothea Ristau begleitet online wie auch in Dresden Frauen, die auf ihrem Weg aus der Essstörung selbst aktiv werden und dabei nicht alleine sein wollen. Besonders setzt sie sich dafür ein, dass Betroffene auf ihrem Weg viele im wahrsten Sinne des Wortes berührende Momente erleben.

Möchtest du die Fastenzeit nutzen, um bewusst mit deinem Körper anders umzugehen und aufzutanken, so hast du im April Gelegenheit dazu: Am 02. April 2022 findet der Online-Workshop „Frieden mit dem Körper finden“ statt. Zur Online-Meditation „Selbstberührung als Zeichen der Selbstfürsorge“ am 15. April 2022 kannst du dir über Selbstberührung ganz praktisch viel Gutes tun. Weitere Informationen und Anmeldung: https://wege-aus-der-essstoerung.de/beruehrung-mit-dem-koerper

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3 Kommentare zu “Bewusste Nahrung in der Fastenzeit
  1. Anna Daskaloudi-Lampe sagt:

    Wunderschön geschrieben 💛 ganz lieben Dank

  2. Meike sagt:

    Guten Morgen ☀️
    vielen Dank für die Zeilen und für das Teilen eurer Gedankengänge zur Fastenzeit. Ich selbst spreche zur Fastenzeit jeden Tag eine Podcastfolge. Vielleicht mögt ihr ja reinhören. Tag 13 – Heute gut zu sich selbst sein.

    Alles Liebe
    Meike

    https://soundcloud.com/user-596271960/tag-13-heute-gut-zu-sich-selbst-sein?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

  3. Miriam sagt:

    Dank dir, liebe Dorothea! Lächelnd seh ich mich gewärmt verbunden, in dem, wozu du inspirierst. Mein Seel-Geist-Körper-Gebet, mit dem ich meinen Morgen beginne und das ich mir als freie Meditation intuitiv selbst zuspreche, hat mich heute zum ruhigen Verweilen, Spüren, Nähren geführt – im behutsamen Auflegen und zärtlichen Streichen meiner beiden Hände auf meinem Gesicht und überall. Ruhige, geankterte Worte sprechen aus mir in dieser Stunde der innigen Zugewandtheit. Fülle ist da. In jedem Augenblick. Dessen gewahr zu werden, dem wohnt schöpferische Segenkraft inne. Seh mich beglückt und genieße das Feuer der tiefen Freude, das in mir entsteht.

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