Empfangen

Lesezeit 6 Minuten –

Jedes Mal, wenn ich mir den zarten Sprühnebel meiner Ringelblume vor dem Schlafengehen ins Gesicht hauche, fühle ich mich eingehüllt in Kostbarkeit und Vitalität. Und das ist nicht nur so, weil die Ringelblume eine ganz wunderbare, sonnengefüllte Heilpflanze ist. Sondern es ist so, weil dieser Sprühnebel auf meiner durstigen Haut unendlich viel Hingabe enthält. Die Hingabe von Aditi, die meine Kräutergärten beheimatet, und all der Wesen, die hier ungestört zusammenkommen und das Leben kosten. Die Hingabe meiner Hände und der Hände der Helferinnen, wenn wir den Boden vorbereiten für die Aussaat, wenn wir mit der Hacke Saatfurchen ziehen und dabei singen, wenn wir – an einem windstillen und sonnigen Tag die Calendula-Samen aus dem eigenen Saatgutgarten in die Rillen legen, die keimenden Pflanzen wässern und freihalten, bis sie in ihrem berauschenden Orange strahlen und den ganzen Berg in ihren Duft hüllen und wir sie pflücken können – einzeln – Blüte für Blüte, beseelt von ihrer Farbe und ihrem harzigen Öl an unseren Händen. Hingabe fließt auch, wenn wir die blank geputzten Kupferdestillen befüllen, das Feuer anschüren und andächtig warten, bis das kostbare Destillat hervortritt, so dass wir es in die blauen Glasfläschchen füllen können, jede einzelne Flasche verschließen, mit den selbst gestalteten Etiketten versehen und sorgsam in die Kartons packen.

So entstehen Kostbarkeiten.

Eine solche Hinwendung ist so unglaublich selten geworden, dass sie bestenfalls in glücklichen Familien noch hie und da auftaucht in der Hetze der Zeit, wenn einmal Marmelade eingemacht wird oder handgearbeitete Geschenke entstehen. Doch welche käuflichen Dinge in dieser Welt sind noch so angefüllt mit Hingabe und Wertschätzung? Welche Dinge in dieser Welt sind noch so kostbar?

Nein, ich meine nicht die Kostbarkeit seltener Rohstoffe, die wir nur noch in hochpreisigen Produkten finden. Ja, sie sind auch kostbar, aber in aller Regel auch „so effizient wie möglich“ zum Verkauf gebracht. Können wir die Kostbarkeit dieser seltenen Rohstoffe wirklich noch spüren und als echte, energiereiche Nahrung empfangen?

Alles ist Resonanz

Wer spüren kann, der spüre: Die Jahrzehnte Wachstums des Baums, dessen Holz in meinem Toilettenpapier ist. Die unermüdliche Fruchtbarkeit des Bodens, der die x-te Baumwollernte ermöglicht hat. Die tiefen Erdschichten, die blauen Felsen und die hellen Kieselsteine, über die das Wasser gesprungen ist, das die Stromturbine antreibt.

Spürst Du es?

Bist Du dort?

Bist Du bei der Hingabe, die Dir zukommt, in jedem Ding?

Wenn Du dort bist, wenn Du spüren kannst, was alles geschehen ist, um Dir dieses Ding in die Hände zu legen, dann kannst Du empfangen. Dann kannst Du trotz aller Aufgaben, Gedanken, Fragen in Dir und an Dich, trotz der Rückenschmerzen und trotz der Motorsäge des Nachbarn die Lebenskraft empfangen, die jetzt, in diesem Moment, in dem Du dieses Ding berühren kannst empfangen und aufnehmen.

Und wenn Du diese Kostbarkeit erkannt und empfangen hast, dann erhältst Du die Energie, die Hingabe, die Lebendigkeit, die Verbundenheit, die dazu geführt hat, dass Du dieses Ding jetzt in den Händen hältst.

Wie anders ist diese Erfahrung, als das schnelle Recherchieren nach „irgendwas“, das Prüfen des Preises, der Klick auf „zahlen“, das Auspacken, Beurteilen und Einsortieren von Dingen, wie es täglich viele Male geschieht. Da ist kein Empfangen. Da ist wollen und haben. Und dann ist es vorbei.

Keine Energie, die fließt. Kein Spüren, kein verbinden, keine Resonanz, kein Energiezufluss.

Wenn wir uns innig nähren wollen, wenn wir die Kostbarkeiten des Lebens wirklich aufnehmen wollen, dann braucht es also zweierlei: Es braucht eine Kostbarkeit – ein „Ding“ das angefüllt ist mit Lebendigkeit und Hingabe, das uns erreicht. Und es braucht unser Empfangen als Echo auf das Wundervolle, das uns berührt.

Ein mit leeren und offenen Händen ganz Dasein. Ein Erkennen all der Fügungen, die es brauchte, um uns zu erreichen. Ein Hineinnehmen, ein Durchlassen und Umschließen, damit die Lebensenergie Teil von uns selbst wird. Kurz nur, denn sie soll ja in Fluss bleiben. Aber eben diesen einen kostbaren Moment, nur.

Das Wesen der Dinge

Ich erinnere mich, dass ich ganze zwei Jahre lang die Gärten gepflegt und die Destillate hergestellt und in alle Welt gesendet habe, bevor ich es wagte, mir aus dem reichen Lager selbst ein Fläschchen Ringelblume zu nehmen. Nur für mich. Und es dann tatsächlich auch jeden Abend zu nehmen.

Es war ein kleiner, heiliger Akt, unmittelbar vor dem Schlafengehen. Ich nahm das Fläschchen in beide Hände, bis ich spüren konnte, was darin ist. Manchmal hielt ich es sogar an mein Herz. Und dann schloss ich die Augen, drückte zwei, dreimal auf das Ventil und ließ mich einhüllen von dieser Sommerpracht, von diesem Lebenstanz und dieser Reinheit.

Meine Freunde haben mich ausgelacht, meine Kunden haben gestaunt, dass ich so lange brauchte, selbst ein Fläschchen für mich zu nehmen.

Doch ich bin einfach mit einer so sehr dünnen Haut geboren, dass ich all die Dinge, die in einem Ding sind, all die Geschehnisse, die zu einem Ding führen, spüren kann.

Manchmal sehe ich ganze Bilder und Geschichten, die ein Ding mit sich bringt.

Und so war es mir etwas Heiliges, dieses eine Fläschchen ganz für mich. Und das ist es mir bis heute. Die Ringelblume mit ihrem ganz besonderen Wesen ist mit mir im Raum, wenn ich das Fläschchen nur in die Hand nehme. Und wenn ich es öffne und einige Tropfen dieser kostbaren Flüssigkeit zu mir nehme, dann strömt diese Vitalität direkt herein, belebt meinen ganzen Körper, beruhigt Geist und Empfinden, lässt die Welt strahlen.

Das Wesen der Dinge zu sehen, zu spüren, braucht sehr viel Raum und Zeit und Stille. Das Wesen der Dinge zu sehen, macht es unmöglich, teilzunehmen an einer Welt, die so unglaublich vieles übersieht, unbewusst zerstört, billigend in Kauf nimmt.

Es war genau richtig, dass mir der Berg Aditi begegnete. Denn ich konnte seine Kraft und seine Art sehen und diesen Raum empfangen. Und sie konnte meine überbordende Lebenskraft und Hinwendung empfangen.

So gibt es also nun diese wunderschönen „Dinge“.

Und all die Heilkräuter- Wesen, die in Aditis Gärten leben und uns Jahr um Jahr beschenken mit ihrer ganz besonderen Kraft.

Danke.

PS: PS: Wenn Du Aditis Pflanzenwesen auch spüren möchtest, hast Du die Wahl zwischen siebzehn ganz unterschiedlichen Sonnenpflanzen. Ich habe auf meiner Website einen Test hinterlegt, der Dir mit wenigen Fragen hilft, das richtige Heilkraut für Dich zu finden. Gleich auf der Startseite bei „Welches Kraut passt zu Dir“

(https://wild-natural-spirit.org/quiz/)

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Evelin Rosenfeld
Evelin Rosenfeld

Unter der Marke „Wild Natural Spirit“ gedeihen Kräutergärten in Oberfranken, die vollkommen ohne Maschinen und in reiner Kreislaufwirtschaft (Permakultur) gepflegt werden. Hieraus kommen die von Hand geernteten und solar getrockneten Blüten- und Kräutertees und vor allem die kostbaren Reindestillate, die sowohl innerlich wie auch zur schonenden Gesichtspflege verwendet werden können. Während der Blühsaison gibt es auf dem wundervollen Berg „Aditi“ Seminare zu Permakultur, Destillation und Kräuterwissen wie auch die Einladung, an den Blütenernten mitzuwirken. https://wild-natural-spirit.org/

11 Kommentare

  1. ….soooooo schöööööööööön wieder hier von Dir zu lesen, liebe Evelin…..auch ich habe Deine feinen Blickwinkel vermisst…..🥰 Deine Worte sind wie „Balsam auf meiner Seele“…..denn – Dank Dir und Deiner Schilderungen bin ich in eine Tiefenverbundenheit mit jenem Ort und Garten, den ich seit 4 Jahren hüten darf, gekommen…..Danke für Dein großzügiges Teilen Deiner Expertise und für Dein Hinweisen auf die Bedeutung des Hinwendens, Hingebens, Verbindens….hochkostbar……Danke für Dein beherztes Engagement für unsere lebendige,beseelte, geliebte Mitwelt…..Du bist mir ein berührendes Vorbild……

    Viele liebe Grüße,
    Dagmar

  2. Dagmar, danke Dir für die herzlichen Worte. Ich freue mich sehr, dass ich dazu beitragen konnte, dass auch Du die Erde hütest. Das Intro zu meinem Erdenhüter-Kreis heißt „Wie wundervoll ist der Gedanke, daß jeder Mensch sich verantwortlich fühlt für die Erde und lernt, mit, aus und für die Erde zu leben !“ … wir haben am 21.03. begonnen und freuen uns über mehr Menschen im Kreis !

  3. Wunderschön. Fühle mich seit 30 Jahren als Hüterin der Wiese auf der ich lebe. Eine Oase der Ursprünglichkeit. Jedes Jahr ein Rehbaby, in diesem Jahr ein Feldhasenpaar.. diese Zeit wird voraussichtlich enden im Sommer- dann ist die Wiese wieder im Schlummer oder im abwarten auf den nächsten Hüter. Dankbar bin ich und sehr traurig. So viele Wesen waren und sind hier. Die Kinder groß geworden. Das Leben sagt, geh weiter.

  4. Liebe Claudia, Wenn Du ganze dreißig Jahre lang dein Herz in diesen Erdenschoß gegeben und das Heranwachsen zu vieler junger Erdenwesen begleitet hast, dann ist deine Wiese jetzt angefüllt mit Lebendigkeit. Dafür danke ich Dir. Und vermutlich wartet irgendwo da draußen bereits ein Wesen auf Dich, dass genau deiner Liebe bedarf. Freu Dich darauf !

    • Es tut sehr weh diesen Ort, diese Scheune verlassen zu müssen- traumatisch geradezu..
      Wie eine Höhle war das, ein Schutzraum… weiß gar nicht, wie das gehen soll- bitte um Fügung und kosmische Hilfe- versuche zu vertrauen, leer zu werden und den Faden zu entdecken

      • Liebe Claudia, es hörte sich so an, als würdest Du frei-willig weiterziehen. Nun klingt es so, als sein dein Wille nicht in Einklang mit seinem Willen, mit dem Willen des Lebens. Das sind die besonders schweren Schritte. Wenn Du, wie ich, schon ein gutes Stück des Weges gegangen bist, dann weißt Du, dass Hände und Herz aufmachen den Schmerz lindert und das Neue zu Dir ruft … Dennoch: Schmerz ist Schmerz. Eine Freundin musste vor zwie JAhren auch ihr lange gehütetes LAnd verlassen. Sie hat durch viele explizite Abschiedsbewegungen und GEschenke und Danksagungen einen ruhigen, schmerzerlösten Weg gefunden.

        • Es ist von außen forciert- davon hatte ich sehr viel in den letzten 5 Monaten.. praktisch alles löst sich auf durch Ereignisse- anfangs wollte ich nicht hier sein- aber es ist ein kraftvoller Platz und wurde zu meinem. Jetzt scheint das Universum was anderes zu wollen.. ja, Dank sagen, Rituale, viel mitatmen.. es ist komplex.. passt aber.. Schmerz dennoch- vielleicht wie Geburt- in das Neue..hoffe, es wird leicht.. und sich fügend.. danke für die Worte

  5. DANKE Ich schließe mich Dagmars gefühlten Worten an. Es ist eine Freude deinen
    Worten zu lauschen, sie aufzunehmen auszusäen und erblühlen zu lassen.
    Wunderbare Auferstehung

  6. Als ich heute morgen die Newslichter öffnete und deine Worte fand, freute ich mich sehr.
    Ich schwinge mit… genauso geht es mir auch, wenn ich die Kräuter in meinem Elfengarten pflücke und wenn sie durch die Destillation zu wertvollen Hydrolaten und Tees für Familie, Freunde und mich werden.
    Deine Zeilen haben mich beflügelt und ich verbrachte meinen Ostersonntag im Sonnenschein, warmen Wind und mit großer Freude in meinem Garten mit Pflegearbeiten.
    Danke, liebe Evelin und viel Freude und Kraft für dich,
    herzlichst Andrea.

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