Geduldig sein

Lesezeit 1 Minute –

Da dürfen Sie nicht erschrecken, wenn eine Traurigkeit vor Ihnen sich aufhebt, so groß wie Sie noch keine gesehen haben; wenn eine Unruhe, wie Licht und Wolkenschatten, über Ihre Hände geht und über all Ihr Tun.

Sie müssen denken, dass etwas an Ihnen geschieht, dass das Leben Sie nicht vergessen hat, dass es Sie in der Hand hält; es wird Sie nicht fallen lassen.

Warum wollen Sie irgendeine Schwermut von Ihrem Leben ausschließen, da Sie doch nicht wissen, was diese Zustände an Ihnen arbeiten? Warum wollen Sie sich mit der Frage verfolgen, woher das alles kommen mag und wohin es will? Da Sie doch wissen, dass sie in den Übergängen sind, und nichts so sehr wünschten, als sich zu verwandeln.

In Ihnen geschieht jetzt so viel; Sie müssen geduldig sein…

Beobachten Sie sich nicht zu sehr. Ziehen Sie nicht zu schnelle Schlüsse aus dem, was Ihnen geschieht; lassen Sie es sich einfach geschehen.

– Rainer Maria Rilke

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6 Kommentare

  1. Als ich es zu lesen begann, kam mir sofort Paula Modersohn-Becker in den Sinn, weil die beiden sich geschrieben hatten.
    Ist es aus einem Briefwechsel der beiden?

    • Liebe Michelle, ich hab mal online geschaut, wem Rilke diese Zeilen schrieb. Und es scheint so zu sein, dass sie aus einem Brief Rilkes an Xaver Kappus stammen, wie sie in „Briefe an einen jungen Dichter“ veröffentlicht und viel zitiert wurden seither. Liebe Grüße aus dem newslichter Team

  2. Danke vielmals. Kannte bisher nur Rilkes großartige Gedicht „Über die Geduld“ – dieser Text von ihm eröffnet noch weitere Aspekte.
    Ich selbst habe auch das Bild des Komposthaufens für diese Prozesse (die oftmals so schwer, tief, heftig sind, daß sie mich komplett an meine Grenzen des Aushaltbaren brachten). Im inneren des Komposthaufens finden Transformationsprozesse ab, von denen wir keine Ahnung haben, große Hitze.
    Schwarze fruchtbare Erde, frisches grünes Leben dann die Früchte und später wieder Grundlage für den Kompost ….

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