Wann ist deine Kochzeit?

Was kommt alles dazwischen, bevor Du bereit bist, zu kochen? Der rege Austausch zum Artikel „Wir können es eben noch nicht besser“ brachte mich auf die Idee das Zeitempfinden beim Kochen in den Fokus zu nehmen.
Ein weiterer Grund, Zeit und Handwerk wie Schneiden, Gemüse vorbereiten, genauer anzuschauen, war mein gebrochener Arm. Ich musste lernen mit der anderen Hand zu schneiden. Eine ungewohnte Sache, die zeigt, wie viel Vorübung ein einziger routinierter Schnitt erfordert.
Ach du liebe Zeit, Kochen?
Letzten November saß ich plötzlich mit gebrochenem Arm da. Direkt am Handgelenk hatte sich bei einem Sturz die Speiche einen langen Riss zugezogen. Zuerst Gips, dann Operation mit der ärztlichen Anweisung, dem Arm sechs Wochen Ruhe zu geben. Nun war ich Linkshänderin mit gebrochenem linkem Arm. In solchen Momenten zeigt sich, was einem wichtig ist. Mein erster Gedanke: Wie sollte ich kochen mit dieser Einschränkung?
Die ersten Schneideexperimente unternahm ich schnell. Dafür konnte ich meinen Gips gut einsetzen. Er hatte ein gutes Gewicht, um das Brot oder ein leicht zu schneidendes Gemüse wie Spitzkohl, Chicorée oder Chinakohl zu beschweren. Das Gewicht war die Hilfshand, mit der das Schnittgut ruhig lag und sich nicht mit dem Messer einfach hin und her bewegte.
„Gehe nicht über Los, ziehe keine 4.000.- € ein!“
Zwei Wochen später nach der Operation hatten sich die Bedingungen verändert. Man bekommt nur noch eine leichte Stütze, in der mehrere Aluminiumstangen eingezogen sind. Kein Gewicht mehr, sehr viel empfindlicher als ein Gips, für den Arm allerdings mehr Bewegungsfreiheit für kleine Bewegungsübungen. Alle bisherigen neu errungenen Fähigkeiten nützten nichts mehr. „Gehe nicht über Los, ziehe keine 4.000.- € ein!“ Doch doch, der Weg über Los und der Gewinn bei dem „Guten an der schlechten Sache“ sind verdeckte Gewinne:
Mein eigenes Verhältnis von Zeit und Kochen
Im letzten Beitrag „Wir können es eben noch nicht besser“ bemerkte ein Leser, dass die Zeitangaben bei den Rezepten selten stimmen und man doch lieber statt der marktreißerischen „schnellen Rezepte“ die eine Stunde vorschlagen solle, die jedes Rezept mit Vorbereitung schließlich dauern würde.
Mit dem gebrochenen linken Arm konnte ich sofort nachvollziehen, durch wie viele Faktoren es zu unterschiedlichen Zeitspannen beim Vorbereiten und Kochen kommt. Eine ungeübte Hand schneidet eben nicht so schnell. Feine Schnitte sind ihr Mühe, überhaupt eine Schnittlinie zu halten erfordert Übung, und Konzentration. Schneiden ist erst dann einfach, wenn sich eine Routine aufgebaut hat, die wie von selbst funktioniert, ohne Nachdenken. Insgesamt veränderte sich meine Geschwindigkeit beim Kochen. Das ist bis heute, ¼ Jahr später, so geblieben. Alles geht langsamer. Ich kann nicht mehr drei Dinge parallel bewältigen. Eines nach dem anderen. Man könnte es einen Alterungsschub nennen, oder einfach mit mehr Fokus in der eigenen Geschwindigkeit sein.
Wie dankbar bin ich für die Handfertigkeit, die ich nach dieser Erfahrung ganz anders zu schätzen weiß. Zeitempfinden ist eine individuelle Einschätzung: Ist die innere Haltung zugewandt, stellt sich Geduld von selbst ein. Mein Fazit fürs Schreiben ist, den Fokus auf das Einfache zu legen. Je einfacher die Rezepte, desto alltagstauglicher. Und hier kommt eine Anregung zu Chinakohl!
Rezept Chinakohlsalat mit Orangen-Olivenöl-Dressing:
- Chinakohl vierteln, den Strunk abschneiden und in feine Streifen schneiden.
- ½ Orange und einen Spritzer Zitrone mit 2 EL Olivenöl mischen, salzen & pfeffern nach Geschmack.
- Wer es gern pikant mag, etwas Chili dazu. Da der Chinakohl selbst aber mild ist, und dies eine gewünschte Wirkung auf den Körper hat, braucht er sehr wenig Gewürz insgesamt.
Auf dem Foto ist in der Salatsoße ¼ Orange, ¼ Zitrone und der Salat selbst mit 3 Kumquats die Schüssel hat für 3 Portionen gereicht. Also variiere den Salat für dich so, wie es dir schmeckt, milder, frischer mit mehr Säure oder salziger?
Je nachdem gibst du der Grundwirkung deine eigene Tendenz:
Fähigkeiten des Chinakohls:
Der Chinakohl selbst ist von seiner thermischen Wirkung neutral, Richtung leicht kühlend. Ein optimales Wintergemüse, wenn die Schleimhäute zu trocken sind, bei Unruhe, Magenschmerzen oder Verstopfung. Selbst nach langem, quälendem Husten eignet sich der Chinakohl, um „Säfte“ wieder aufzubauen und die Schleimhäute zu befeuchten. Er hat einen besonderen Bezug zu den Funktionskreisen von Magen und Därmen. Dort kann er seine Wirkung optimal entfalten.
Therapeutisch liest sich das so:
Hitze kühlend, Unruhe beseitigend, den Funktionskreis des Magens stützend und Säfte hervorbringend, diuretisch (Harntreibend) und laxierend (abführend).
Ein kurzer Ausflug der Dankbarkeit an diejenigen, die für mich da waren:
Freundinnen kochten für mich, meine Vermieterin – auch mit ihr mit viel Sympathie verbunden, waren für mich da. Später kann eine Haushaltshilfe dazu. Zusammen kreierten wir den Heilraum, in dem ich mich zurücklehnen durfte und alle Kraft auf Knochenheilung legen konnte.
Meine Frage an Dich: Wie geht es dir mit deiner Zeitwahrnehmung in der Küche?
Liebe Grüße von Charlotte






Danje für Ihren Beitrag. Ich koche jeden Tag für meinen Mann und mich. Als ich jünger war und alleinerziehend und im Berufsleben habe ich nicht gemocht. Heute bin ich froh, dass ich Zeit habe dafür und gesünder leben darf, als in jungen Jahren. Ich finde, wenn die für die wir kochen bereit sind, hinterher mit aufzuräumen und wertschätzend sind, dann ist es ganz leicht. Mittlerweile koche ich fast nur ohne Rezept aus Anregungen und probiere viel, vor Allem, was die vegetarische und vegane Küche so hergibt.