Besuch bei MuTTer

Animiert durch ein Telefonat besuche ich meinen mütterlichen Anteil, um ihn ein wenig besser kennenzulernen, mir Zeit für die Mütterlichkeit nehmen:
Ich gehe in meinem Schloss in den Flügel, indem ich meinen mütterlichen Anteil vermute. Neugierig und ohne Zögern klopfe ich an die Tür. Es öffnet eine adrette, schlanke, rotblonde Frau. Sie wirkt offen und freundlich, lächelt jedoch nicht. Ihre Kleidung ist auffallend elegant, dabei leger, luftig, leicht. Eine schöne Erscheinung. Zu meinem mütterlichen Anteil möchte ich bitte, erkläre ich, zwecks besser kennenlernen. Jetzt lacht sie, dabei entblößt sie ein blütenweißes Wolfsgebiss. Sie bittet mich herein und antwortet: „Wir treffen uns meistens im Salon, aber manche sind vielleicht auch im Billardzimmer, in der Bibliothek oder im Garten.“
Meine Überraschung bleibt ihr nicht verborgen: „Du hast geglaubt, es gäbe nur einen mütterlichen Anteil? Während ich ihr folge, gestehe ich mir ein, dass ich genau davon ausgegangen bin. Sogar eine Vorstellung hatte ich. Weiche runde Form ihres Körpers, Geruch nach Kuchen, Kleid und Schürze, Wärme und Freundlichkeit. Geborgenheit ist ihr Wesen. Plötzlich schäme ich mich für diese kindliche Sehnsucht.
Tapfer folge ich meiner Führerin in den Salon. Jetzt halte dich fest: eine ganze Bande von Weibern. Wie? Alles meine mütterlichen Anteile? Meine Türöffnerin lächelt nun doch, erklärt der Runde mein Anliegen und stellt sich als erste vor: „Ich bin deine Kämpferin, meine Aufgabe ist es Leben zu schützen und Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Ich bin nicht zimperlich, furchtlos, manchmal brutal, wild und mordlustig, wenn es um meine Kinder geht. Sollte ich dir noch erklären, dass es keineswegs immer nur um leibliche Kinder geht?“ Sie zwinkert mir zu. „Mein Name ist MuT. Du willst uns ja etwas besser kennenlernen. Schau dich um, frage, was und wen immer du möchtest – in deiner Zeit. Wir sind alle da.“
Die Blicke der anderen Frauen sind warm, neugierig, aber nicht bedrängend. MuT verlässt mich und ich stehe allein da. Meine Augen suchen meine Vorstellung und siehe da, ich sehe sie sogar mit einem Tablett in der Hand aus der Küche kommend. Das vermute ich zumindest. Wieder staune ich? Ist da hinten nicht eine, die aussieht wie Pippi Langstrumpf? Unterschiedliche Strümpfe und witzige Haare. Auch die Skelettfrau1 erkenne ich. Völlig verblüfft erkenne ich ihren Fischer. Ein Mann?
Eine Hand legt sich auf meinen Arm und als ich mich umdrehe, steht eine alterslose weise Frau vor mir. „Ich heiße Ter und ich bin die Seele deines Schlosses. Was immer du siehst und wahrnimmst – es entspringt deiner Vorstellungskraft. Alles ist wandelbar. Ob weiblich oder männlich, du kreierst es selbst. Alles ist da, es existiert kein Falsch oder Richtig. Zu jeder Zeit sind alle Anteile in dir mütterlich für deine Kinder da, für die Menschen die dir wichtig sind, für die Tiere in deiner Obhut, für alle Pflanzen, für deine Erde.“
Tief berührt nehme ich wahr. Wieder eine Tür, die sich öffnet und ich trete hinein: Wärme und Weite, Offenheit, Unendlichkeit, Unbeschreibliches.
Das Wesen stellt sich vor: Ich bin die Liebe und wir alle sind untrennbar zusammen in dir und für DICH da. Für immer.
Monika Mathes – seit 40 Jahren Krankengymnastin – heute Berührende, Begleitende und Unterstützende in eigener Praxis für ganzheitliche Körpertherapie und Paarbegleitung. Wer mehr erfahren möchte, darf gerne meine Website besuchen: www.monika-mathes@web.de
- Die Skelettfrau ist ein Märchen aus dem Buch die Wolfsfrau von Clarissa Pinkola Estés Der junge Fischer empfand Mitleid mit dem Gerippe und verbrachte die halbe Nacht damit, alle Knochen der Skelettfrau behutsam zu entwirren, sie zurechtzurücken. Durch seine Unterstützung erwachte sie zu neuem Leben ↩︎




