Die Kunst des Wandels: Bitte nicht mehr vom Alten

Lesezeit 3 Minuten –

Die dritte Lebensphase – Dem Zyklus des Lebens nicht im Wege stehen. Wenn wir um die 60 Jahre alt werden, beginnt für viele von uns eine ganz besondere Zeit: die der dritten Lebensphase. Ein Übergang, der uns aus dem vertrauten Rhythmus der Erwerbsarbeit herausführt und uns vor die Frage stellt: Wer bin ich ohne meine Arbeit? Diese Phase ist weit mehr als ein Lebensabschnitt – sie ist der Ruf unserer Seele, dem natürlichen Zyklus des Lebens nicht im Wege zustehen.

Dem Lebenszyklus vertrauen

Wie die Jahreszeiten ihren Lauf nehmen, so durchlaufen auch wir Menschen Phasen des Wachsens, Blühens, Reifens und Loslassens. Die dritte Lebensphase ist wie der Spätsommer und Herbst unseres Lebens – eine Zeit, in der wir die Früchte unserer Erfahrungen ernten dürfen. Unsere menschlich reifen Früchte sind erwachsene Kinder, Enkel, berufliches Potenzial, kognitives Wissen, erworbene Güter, Lebenserfahrung/-weisheit, usw. Diese reifen Früchte dürfen wir mit Würde und Stolz zutiefst wertschätzen und uns gleichzeitig darauf vorbereiten, sie ganz loszulassen.

Das Alter erlaubt und fordert uns sogar auf, uns zu distanzieren und uns schrittweise von überholten Verantwortungen zu entbinden – die ‚Hand zu öffnen‘ und sie gehen zulassen. Schritt für Schritt.

Mehr Sein statt Schein

Die Arbeit hat uns lange geprägt. Sie war nicht nur unser Einkommen, sondern auch ein Anker für unsere Identität, ein Ort der Anerkennung, ein Raum für Begegnungen und soziale Verbundenheit. Wenn wir uns von dieser Rolle lösen, dann ist da erst einmal nichts Neues.

Lebensübergänge sind ein Prozess, der nicht nur Mut, Zeit und Kraft braucht, sondern auch eine Initiation. Diese gestaltet sich in einer Dreiteilung: Loslassen – Leere – Neuausrichtung. Die Leere ist meistens der Zustand, den wir am wenigsten fühlen wollen. Das Nicht-Wissen. Manchmal kann es sich wie grenzenlose Langeweile anfühlen, dann wieder wie Kranksein oder völlige Orientierungslosigkeit und Minderwertigkeit. Sie kann sich auch in Unruhe, Ablenkung und Hyperaktivität darstellen. Diese Vermeidungsstrategien haben wir über viele Jahre hindurch eingeübt und perfektioniert. Sie wollen uns beschützen.

Doch Vorsicht. Der Eintritt in die dritte Lebensphase ist auch der Eintritt in die Masterclass unseres Lebens. Sie bietet die Chance zu mehr innerer Freiheit. Zu mehr Sein statt Schein. Und sie stellt uns vor eine kulturelle Neuausrichtung, in der wir die Chance habe, eine neue Ältestenschaft mitzukreieren. Eine neue Ältestenschaft, die den werbewirksamen Jugendwahn hinter sich lässt und neue Werte entwickelt.

Wir sind viele.

Die Kraft der Gemeinschaft und der Wandel

In sozialen Zusammenhängen braucht es eine kritische Masse an Menschen, die bereit sind, neue Wege zu gehen, damit sich Veränderungen dauerhaft etablieren. Wenn wir uns gegenseitig auf diesem Weg unterstützen und gemeinsam neue Lebensformen gestalten, entsteht ein Netzwerk aus Verbundenheit und Sinn. Studien zeigen, dass etwa 10–30 % der Bevölkerung nötig sind, um eine dauerhafte Verhaltensänderung in einer Gemeinschaft auszulösen. Soziale Netzwerke können dabei sehr dienlich sein. Sie verstärken die Verbreitung von Ideen oder Verhaltensweisen. Wir sind viele.

Ich suche nicht, ich finde.

Dieses offen sein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen:
Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen,
der in aller Angst des Loslassens
doch die Gnade des Gehaltenseins
im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Pablo Picasso

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Heide Steiner
Heide Steiner

Meine Angebote bieten dir einen Raum der Regeneration und Neuorientierung, sodass du mit neuen Impulsen und frischer Kraft deinen Lebensweg weitergehen wirst. In einem geschützten Rahmen, frei von deinem Alltag, kannst du wieder ganz bei dir ankommen und deinen Selbstwert und deine Selbstliebe festigen. Sie sind die Basis deiner Lebensfreude, deiner Verbundenheit und Zukunft. Ich begleite dich mit liebevoller Zuwendung, innerer Klarheit, hoher Sensitivität und meinem Reichtum an Lebenserfahrung. Dabei spielt der Erfahrungsraum Natur eine wichtige Rolle. http://www.innereweite.de/

9 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel.
    Ich finde es wichtig, das mal zu beschreiben, einschließlich der „schwierigen“ Gefühle dabei. Zu oft habe ich den Eindruck, dass wir so tun, als sei das alles Dank unserer Lebenserfahrung und unserer (spirituellen) Ausrichtung einfach.
    Genau wie uns dauernd „kostenlose Masterclasses“ offeriert werden. Doch das Leben ist anders, und auch wenn vieles leichter geht, ist eine Masterclass eben nicht ohne Einsatz zu haben. Ent-Konditionierung muss nicht anstrengend sein, doch tatsächlich braucht sie Zeit und Fokus und Pausen.
    Gleichzeitig stimmt es: wir sind viele und können uns gegenseitig anstiftend zur Veränderung und auch andere anstecken. Danke!

  2. Liebe Dorothee,
    danke für deinen Kommentar. Ich sitze gerade mit meinem Kaffee auf meinem Sofa und schaue in die Stille eines schneebedeckten Waldes. Mein Mann ist schon im Büro und die Nachbarskinder sind in der Schule. Ich bin um 12.00 Uhr mit meiner Freundin verabrede und kann mir die Dinge, die ich erledigen möchte, frei einteilen. Seit anderthalb Jahren übe ich meine alten Konditionierungen von, wie bin ich richtig, aufzulösen und diese kostbare Zeit der Stille zu genießen. Heute Morgen gelingt es mir gut. Es war und ist ein langer Weg die gute Balance in mir zu finden, ohne mich wertlos zu fühlen.
    Das Wort Masterclass ist vielleicht nicht ganz stimmig. Wie würdest du es nennen? Der Weg in ins Alt werden ist in unserer Kultur eine Pionierarbeit. Lasst uns gemeinsam gehen.
    Mit einem herzlichen Gruuß, Heide.

  3. ich habe erkannt, dass es genügt, nur durch mein Sein, ein Vorbild zu sein – ich muss nix Spezielles tun und leisten, nur mein Leben mit Freude gut leben … auch wenn oft noch Zweifel aufploppen 😉

  4. Liebe Heide, liebe Dorothee und liebe Mitlesende/-kommentierende…..bei mir tauchen im Zusammenhang mit dem „Kreieren einer neuen Ältestenschaft“ auch die Fragen „Wer will ich mit 60, 70…..sein?“ und „Wie gelingt mir das?“ auf…..Hier im „newslichter-Feld“ finde ich dazu beeindruckende Vorbilder – Euch, die Ihr Euch hier zeigt mit all Eurer ureigenen Erfahrungsweisheit…..und Gefühlstiefe…..und Bereitschaft zum Mitgestalten/-Denken…..unsere Welt ist so viel reicher, weil es Euch „Älteste“ gibt, meinem Empfinden nach…..❤️ 💕 Danke, daß wir Euren Stimmen lauschen können/dürfen, daß Ihr Eure Blickwinkel mit uns“Jüngeren“ teilt…..
    Von Herzen,
    Dagmar

  5. Liebe Dagmar,
    ich danke dir. Deine Worte berühren eine Sehnsucht in mir. Die Sehnsucht nach Austausch zwischen den Generationen. Einem Raum der Neugierde, Freiheit und Wärme zwischen Frauen allen Alters. Einem Raum in dem wir einfach Frauen sind und uns zuhören.
    Liebe Grüße von Heide 🌻

    • …..ja, liebe Heide, diese Sehnsucht nach einem Austauschen zwischen den Generationen kenne auch ich sehr gut….Danke Dir für Dein feines Formulieren all dieser damit verbundenen Qualitäten…..die mich an die „Kreiskulturprinzipien“ denken lassen…..

      von Herzen,
      Dagmar 💐

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