Eine Frau bringt Licht in einen Tunnel

friedenstunnelVon Ferdinand Rogge. Seit mehr als 14 Jahren arbeitet die Bremer Künstlerin Regina Heygster daran, einen dunklen, vernachlässigten, innerstädtischen Auto- und Eisenbahntunnel zu einem interreligiösen Friedenszeichen und Bildungsort umzugestalten. Sie möchte mit diesem Projekt angesichts der Tatsache, dass sich weltweit Menschen im Namen von Religionen bekämpfen, etwas Positives entgegensetzen – ein Friedenszeichen, welches allen Menschen Mut macht.

Mit diesem Projekt kommt Sie einem langgehegten Wunsch nach, Lebensräume für Menschen zu verschönern. In ihrer Auseinandersetzung mit Nutzbauten und deren Gestaltung wurde ihr klar, dass Tunnel die Bauwerke sind, die in der Unterhaltung und Pflege am meisten vernachlässigt werden. Sie verglich die Tunnelbauten in Bremen und erkannte, dass der zentral gelegene, vielbefahrene, aber dunkle und vernachlässigte Rembertitunnel durch seine Jugendstilfassade und den schön geschwungenen Gewölbehimmel so umgestaltet werden konnte, dass er für Fußgänger, Rad- und Autofahrer ein Licht im Dunkeln sein würde.

Parallel beschäftigt sich Regina Heygster seit zwei Jahrzehnten mit mitfühlender Begleitung von Menschen in Krisensituationen und am Lebensende. Als Leiterin der Hospizhilfe Bremen dachte sie viel über Glaubensfragen nach. Sie stellte sich eines Tages die Frage: „Wie trägt uns Glauben beim Sterben?“ Daraus entwickelte sich 3 Jahre lang eine Vortragsreihe, zu der sie Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Bremen einlud.

Als dann der 11. September 2001 die Welt und auch Bremen erschütterte hatte sie das dringende Bedürfnis etwas zu tun. Protestieren, auf die Straße gehen? Nein, ihr fiel das Tunnelprojekt wieder ein, welches seit ein paar Jahren bei ihr in der Schublade schlummerte. Sie stellte fest, dass der Remberti-Tunnel der DB-Netz AG gehörte und holte sich dort die Erlaubnis, den Tunnel nach ihrer künstlerischen Vorstellung in ein bauliches Friedenssymbol umzuwandeln. Dann informierte sie die ihr bekannten verschiedenen Religionsgemeinschaften und begeisterte sie für die Idee, den Rembertitunnel zum Friedenstunnel Bremens umzugestalten. In einer Bürgermeistersprechstunde begeisterte sie auch den damaligen Bürgermeister Henning Scherf für Ihre Idee.

Der Weg von der Idee bis zur ersten baulichen Umsetzung am Tunnel dauerte Jahre. Zwischenzeitlich hat sie den Verein „Friedenstunnel – Bremen setzt ein Zeichen“ gegründet und eine reichhaltige, interreligiöse Dialogarbeit in Bremen aufgebaut, die in einer Studie der Universität Bremen als herausragend belobigt wurde. Parallel hat sie in unermüdlicher Arbeit und durch ihre große Begeisterung die Mittel für die ersten Teilsanierungen des Friedenstunnels zusammenbekommen.
Eine Frau bringt Licht in einen Tunnel
Beide Frontseiten des Tunnels sind fertig, farbig nach Ihrem Entwurf umgestaltet und mit symbolhaltiger Mosaikkunst versehen. 3m hohe Friedensbäume aus den verschiedenen Kulturen der Welt zieren einen der Tunnel-Eingänge, großformatige Mosaike prangen über beiden Frontseiten.

In diesem Sommer (Juli/August 2015) beginnt die Umgestaltung im Inneren des Tunnels: In der ersten Baustufe werden u.a. von Regina Heygster künstlerisch gestaltete Texttafeln mit Zitaten und Texten aus verschiedenen heiligen Schriften an den Seitenwänden angebracht, unterbrochen durch Texttafeln mit Weisheiten der großen Denker unserer Zeit. Darüber wird ein ebenfalls von der Künstlerin entworfenes und eigenhändig gelegtes Mosaikfries mit dem Wort Frieden in ca. 200 Sprachen angebracht.

Modell nach dem Umbau im Sommer 2015

Modell nach der Umgestaltung im Sommer 2015

Neben der künstlerischen Arbeit und der Umgestaltung des Tunnels entwickelt Regina Heygster die inhaltliche Arbeit des Vereins immer weiter. So finden regelmäßig Podiumsdiskussionen mit Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften und Unterstützung des ersten Bürgermeisters Jens Böhrnsen im Bremer Rathaus statt. Regina Heygster entwickelte weiter das Format „Frieden fängt klein.“ Bei diesem Projekt wurde der Friedensdialog in Kindergärten, Schulklassen verschiedener Altersstufen und in Behinderteneinrichtungen getragen. Im letzten Jahr wurde das Projekt gemeinsam mit dem Bremer Rat für Integration und verschiedenen Flüchtlingsinitiativen durchgeführt. Ein weiteres von Regina Heygster initiiertes Projekt ist „Religionen laden ein.“ Jährlich zwei am Projekt beteiligte Religionsgemeinschaften laden öffentlich in Ihre Kirchen, Moscheen und oder Gemeinschaftseinrichtungen ein und stellen Ihren Glauben vor.

Regina Heygster

Regina Heygster

Regina Heygster ist gleichzeitig Initiatorin und Künstlerin des Friedenstunnels, sie ist also die gestaltende Kraft des gesamten Projekts, was weit über „normale“ ehrenamtliche Arbeit hinausgeht. Ihr Projekt Friedenstunnel wird durch die derzeitige Weltlage immer aktueller und gewinnt mittlerweile bundesweit an Bekanntheit und Anerkennung. Regina Heygster arbeitet neben ihrer Tätigkeit als Vereinsvorsitzende und ehrenamtliche Projektleitung als Kunstpädagogin und als Dozentin und Supervisorin im sozialen Bereich und deckt mit ihrem Spektrum an Vielfalt in einer Person viele Bereiche ab, die das normale Maß überschreiten.
Ihre Kraft und unermüdliche Energie schöpft die Katholikin aus Ihrer Spiritualität. Gott bedeutet für sie Liebe zu allem. Die künstlerische Arbeit am Friedenstunnel ist für Regina Heygster wie Meditation. Die Bedeutung, für die der Friedenstunnel und seine inhaltliche Arbeit stehen, wird von Regina Heygster verkörpert. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes ein ungewöhnliche, eine herausragende Frau – eine Frau, die Menschen bewegt, die Verbindungen schafft, wo andere keine Chancen sahen, die immer wieder unermüdlich zur Verständigung ermuntert und alles zusammen in einem baulichen Friedenszeichen zum Ausdruck bringt. Regina Heygster weiß, worum ist es geht. Sie ist ein Mensch mit überragendem Einsatz und einer unbeugsamen Beharrlichkeit.
Regina Heygster ist ganz echt – sie macht keine Konzessionen, ist ohne Furcht und folgt ihren eigenen Maßstäben und ihrer Intuition.

Der Friedenstunnel wird gerade umgestaltet: Am 06. September 2015 ist die Einweihung. Weitere Infos: www.friedenstunnel.de

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