Meditation und Wissenschaft

meditation-und-wissenschaftAchtsamkeit hat in den vergangenen Jahren Eingang in zahlreiche therapeutische Formate gefunden, weil die meditative Innenschau erwiesenermaßen förderlich ist für die psychische Genesung. Auch immer mehr Firmen setzen auf Meditationsprogramme, um ihren Mitarbeitern den Umgang mit Stress und die Entwicklung resilienter Lebensstile zu erleichtern. Die aus diesen positiven Befunden resultierende Euphorie wirft indes auch Fragen auf: Erwächst hier ein neuer Trend der Selbstoptimierung, der ein zentrales Merkmal der Meditation, Stille und Loslassen, in sein Gegenteil verkehren könnte und so neue (Achtsamkeits-)Zwänge schafft?

Wie sinnvoll ist es, Achtsamkeitspraktiken zur Stresskompensation einzusetzen – und in welchen Kontexten wäre es vielleicht wichtiger, gesellschaftliche Rahmenbedingungen bewusst in Frage zu stellen? Was passiert nach dem Meditationskurs – wie kann Achtsamkeit zur integrierten Lebenspraxis werden?

Prof. Dr. med. Tobias Esch, Fachleitung „Gesunde Hochschule“ an der Hochschule Coburg: „Der Forschungs-Boom der letzten Jahre hat in der Öffentlichkeit bisweilen den Eindruck entstehen lassen, Achtsamkeit könne so etwas wie ein neues Allheilmittel darstellen. Eine wachsende Zahl von Instant-Angeboten, die sich bisweilen auf die Erkenntnisse der Grundlagenforschung berufen, ohne selbst wissenschaftlich untersucht worden zu sein, suggeriert schnelle und umfassende Heilung fast schon auf Knopfdruck.

Anliegen dieses vierten Kongresses Meditation & Wissenschaft (vom 25. & 26.11.2016) ist es deshalb auch, Medizinern, Therapeuten, Tätigen im Gesundheitswesen und im betrieblichen Gesundheitsmanagement, Beratern und Coaches wie auch ambitionierten Meditierenden einen fundierten und seriösen Überblick zu vermitteln, welche Anwendungsszenarien von Achtsamkeit realistisch, sinnvoll und wissenschaftlich belegt sind. Wir wollen dabei nicht nurzeigen, wie Meditation in betrieblichen Achtsamkeitsprogrammen oder im Rahmen von Therapien eingesetzt werden könnte, sondern auch der Frage nachgehen, wie wir möglicherweise eine Kultur fördern können, die chronische Erschöpfung und seelisches Leiden nicht begünstigt, sondern Räume für menschliche Entfaltung schafft.“

Der erste Kongresstag beleuchtet das Thema Bewusstseinsentwicklung in der Arbeitswelt.

Beiträge aus der Grundlagenforschung zeigen, was Meditation aus neurowissenschaftlicher Sicht bewirkt und welche unterschiedlichen Arten von Aufmerksamkeit sich durch Achtsamkeitsübungen kultivieren lassen. Ein Vortrag zum Thema Transhumanismus geht der Frage nach, ob die Förderung der
menschlichen Leistungsfähigkeit ein Problem für die menschliche Entwicklung darstellt oder sie eine erfüllende Form der Entschleunigung unterstützen kann. Eine Panel-Diskussion betrachtet, wie sich in der Arbeitswelt die Einbindung von Achtsamkeitsmethoden ganz konkret gestalten lässt, ob sich die Freiheitsdimension der Meditation mit der Effizienz- und Zielorientierung des
Geschäftslebens verträgt und welche Potenziale, Herausforderungen oder auch Risiken es gibt.

Der zweite Kongresstag bietet zwei Themenschwerpunkte – Achtsamkeit in Medizin und Therapie sowie Meditation als Weg der Selbstentwicklung.
Studien zur Wirkung von Achtsamkeit bei der Behandlung von Depressionen und in der Traumatherapie stellen Anwendungsszenarien aus der therapeutischen Praxis vor. Ein Beitrag über Achtsamkeit, Ethik und Therapie geht der Frage nach, wie ethische Werte wie Freundlichkeit, Toleranz und Mitgefühl, die sich durch die Praxis der Achtsamkeit kultivieren lassen, bei Ärzten wie Patienten zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit den Herausforderungen des Menschseins führen können.

Tania Singer, die mit dem ReSource Projekt eine wegweisende Untersuchung zur Wirkung von Meditation bei Gesunden angestoßen hat, wird die Potentiale von Achtsamkeit als Weg der Selbstentwicklung näher beleuchten und dabei vor allem illustrieren, welche Ansätze hilfreich sind, Empathie und Mitgefühl zu entwickeln und die Perspektive des eigenen Bewusstseins zu erweitern.

Der Kongress ist ausgebucht, der J.Kamphausen Verlag bietet aber ein Livestreaming an, hier buchen.

Mehr Hintergründe und alle Referenten hier.

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2 Kommentare zu “Meditation und Wissenschaft
  1. Herstel sagt:

    Warum müssen sich die Menschen durch Meditation und Erlernen resistenter Lebensweisen an immer weiter steigenden Stress anpassen? Wann passt sich die Arbeitswelt mal wieder an ihre Menschen an?

    Ich finde die derzeitige Entwicklung grundfalsch!

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