Neues aus der Gemeinschaft Tempelhof

Foto: Tempelhof

Von Wolfgang Sechser. In unserer Gemeinschaft im Tempelhof und auch bei Besuchern tauchte in den letzten Wochen, angeregt durch die vielen Besucher und Veröffentlichungen, die Frage auf: Warum machen wir das alles? Warum stellen wir uns so in den öffentlichen Raum, durch Veranstaltungen, Filme, Treffen? Ein wichtiger Teil unserer Visionen ist, dass wir mit unserem Realexperiment Anregungen und Beispiele für eine Veränderung unseres momentanen Konkurrenz- und Konsumsystems geben wollen.Wir wollen uns nicht isolieren und eine Insel sein, sondern auch andere anregen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu verändern. Sich selbst zu verändern, denn nur so wird sich die Welt wirklich nachhaltig verändern lassen.

Dazu braucht es Einblicke und auch radikale Transparenz – was wir in verschiedenen Bereichen bereits leben. So sind wir die einzige Gemeinschaft, die alle ihre Funktionstreffen öffentlich gestaltet. Wir lassen zudem alle Dorfbewohner, auch wenn sie im ersten Jahr „nur“ in der Annäherung sind, an allen Entscheidungen aktiv mitwirken. Alles, was wir hier gestalten und aufbauen, wird immer auch offen für die Region sein. Wir arbeiten mit regionalen Initiativen bereits zusammen, mit der Gemeinde, der örtlichen Schule, den Landfrauen. Diese Offenheit regt nicht nur viele Menschen an, selbst ehrlicher in ihrem Leben zu sein – und gleichzeitig Transparenz in der Gesellschaft und Politik zu fordern. Wir ziehen damit eben auch immer weiter Menschen an.

Die verschiedensten Rückläufe aus unseren Seminaren TIP 1 + 2 und den WIR-Prozessen, von Info-Cafés und von GasthelferInnen zeigen uns, wie sehr sich die Menschen einen ehrlichen offenen Umgang wünschen. Wie sehr viele Menschen von Schein und Trug im Umgang miteinander und in den politischen Strukturen die Nase voll haben – und wie immer noch die Angst umgeht: Wie soll ich alleine denn hieran etwas ändern? Durch unsere offene Begegnungskultur macht der Tempelhof offensichtlich Mut. Es berührt immer wieder, dass es nicht um Fehler oder Stärken, nicht um hehre Ideale oder rosarote Welten in der Intention unserer Besuchern und Interessenten geht. Einfach ehrlich miteinander im Umgang und in der Kommunikation, natürlich, menschlich und dabei immer wieder der Versuch, selbstreflektiert und liebevoll zu bleiben – dies verbindet uns Tempelhöfer mit vielen Menschen in der heutigen Welt.

Viele dieser Menschen unterstützen uns und machen mit ihrem Einsatz für den Tempelhof erst unser Projekt möglich: Ob es nun in den Projekten, z.B. der Landwirtschaft ist, in der in den letzten Wochen viele viele Menschen als Gasthelfer mitgeholfen haben. Oder ob es die Besucherin eines Info-Cafés ist, die anschließend so berührt war, dass sie uns 50.000,-€ ohne weitere persönliche Auflage gegeben hat. Oder die Handwerksfirma, die uns trotz Auftragsüberangebot vorzieht und dabei die Preise nicht verändert oder die Architekturklasse der Uni Karlsruhe, die mit viel Engagement für uns Pläne entwickelt hat. Gemeinsam wirken wir mit unserem Einsatz, regen an und ermutigen – und erzeugen so ein Feld von Kontakten, die sich wie Wellen auf einem See weiter verbreiten können. Außen und Innen – See und Welle sind nicht getrennt… eine alte Weisheit, die uns sehr bewusst ist.

Wir wollen uns nicht selbst genügen, sondern experimentieren, entwickeln und weitergeben. Und mitten in den Polaritäten des Lebens leben: Wirkliche Veränderungen in jedem Einzelnen und in dessen Begegnungen braucht intimen persönlichen Raum. Gleichzeitig wollen wir uns für eine bessere Welt einsetzen, für Nachhaltigkeit und eine gesunde Zukunft, gerade auch der Kinder. Wie geht dies zusammen? Wir können keine stimmigen Antworten vorlegen und wollen auch keine Lösungen verbreiten. Wir versuchen in die Antwort hinein zu leben und in der Erfahrung den Prozess immer wieder zu hinterfragen und zu verändern. Deswegen gehen wir dafür, eine „Schule für freie Entfaltung“ zu gründen, die unser Dorf zum Lernerfahrungsfeld für Kinder und Erwachsene machen wird. Denn es braucht in erster Linie authentische, bewegte und bewegliche Menschen, damit Kinder vertrauensvoll abschauen und lernen können. Die Gesellschaft wird ohne freie selbst-bewusste Kinder die vielen anstehenden Veränderungen der Zukunft nicht mehr meistern können. Deswegen wollen wir nun auch „sozial auffälligen Jugendlichen in einem ganzheitlichen Dorf die Möglichkeit der Heilung anbieten – ohne dass an ihnen mit allerlei Konzepten „herum gedoktert“ wird. Zwei Jugendliche sind bereits in einer Familie angekommen und es ist erstaunlich, wie schnell sie zu einem Teil des Dorfes werden.

Deswegen unterstützen wir unsere jungen Leute auch in ihren Schritten in die Welt hinaus – zu anderen Gemeinschaften, zu europäischen Treffen. Und auch wir holen Initiativen zu uns an den Platz und unterstützen z.B. nun Phillip, einen Afrikaner, der gerade in Kenia eine Gemeinschaft aufbauen wird Unser sichtbares Ringen, die Balance zu finden zwischen gesellschaftlichen Visionen und persönlichem Handeln, zwischen Intimität der Begegnung und öffentlichem Raum, ist ein Teil unseres Prozesses. Wir wollen Mut machen Fragen zu stellen – auch mit Einblick in unsere Schwächen. Wir müssen gleichzeitig nicht den Fokus darauf legen, was alles nicht klappt. Denn alleine, dass wir uns trauen, andere bewusstere und selbstbestimmtere Wege zu gehen, mit dem Risiko zu scheitern und dann eben wieder anders weiter zu machen, bewirkt Veränderung, Nachdenken – und damit mit eine andere Welt. Wer unsere Tempelhof Welt, unsere Projekte z.B. die Schule oder das internationale Engagement unserer jungen Leute mit Tat oder finanziellen Mitteln unterstützen will, ist herzlich eingeladen, sich entweder unter zukunftsanlagen@schloss-tempelhof.de zu melden oder sich näher auf einem Kennenlern-Wochenende (siehe Veranstaltungen) zu informieren.

Wolfgang Sechser

Zur Person: Wolfgang Sechser, 50 Jahre alt, Vater eines Sohnes und Unternehmer, der zwischen 1988 und 2005 drei Firmen im Bereich Umwelt- und Wassertechnik aufgebaut hat. Mitbegründer der „Initiative In Gemeinschaft Leben“ und des Gemeinschaftdorfes „Zukunftswerkstatt Tempelhof“. Entwicklung der Wirtschaftgemeinschaft „Der Zehnte“, Vortagsredner über „Die Mystik des Geldes“, Arbeit mit Prozess- und Impulsmoderationen, Mitentwicklung des WIR-Prozesses (nach den Empfehlungen von Scott Peck), Organisationsbegleitung von Firmen und Einzelpersonen, Meditationslehrer und Mediator.

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