Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor zu ALDI

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Foto facebook: Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor

Liebe Freund*innen und Feinde des urbanen Gärtnerns, Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord greifen in einem Werbespot eine ganze Bewegung an, die sich für vielfältige, gesunde, ökologische und fair produzierte Lebensmittel einsetzt. Sie benutzen dabei ohne unsere Zustimmung den Berliner Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor als Kulisse, um die Botschaft von einer vermeintlich “nutzlosen Vielfalt“ zu verbreiten.

Der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld erfreut sich seit seiner Gründung großer Beliebtheit. Gemeinsam haben viele Hundert Menschen in ihrer Freizeit ein Stück des ehemaligen Flugfeldes in ein buntes Miteinander von Nachbarschaft, Hochbeeten, Tomaten, Bienen, Kompost, Sonnenblumen und Kunst verwandelt. Doch nicht nur Berliner*innen, sondern auch Besucher*innen und Medien aus aller Welt interessieren sich für unseren Garten. Denn der Garten steht für eine lebenswerte, lebendige und zukunftsfähige Stadt. Und darüber hinaus zeichnet der Garten eine Vision von einer anderen Welt – und zwar explizit als ein Ort der sozialen und ökologischen Vielfalt.

Leider mussten wir feststellen, dass der Discounter Aldi ungefragt unseren Garten als Kulisse für seine aktuelle Werbekampagne “Einfach ist mehr” missbraucht hat. Entsetzt hören wir darin den Rapper Fargo ein Lied über die “alles begrabende nutzlose Vielfalt” reimen. Er sitzt auf einer selbstgebauten Holzbank bei uns im Garten und klagt, dass ihm zwei Käsesorten schon zu viel Vielfalt sind. Parallel dazu wirbt Aldi auf Plakaten damit, dass man doch keine 10 Zitronensorten bräuchte, sondern “einfach nur Zitronen”.

Seit Gründung des Allmende-Kontors stehen wir für eine plurale Stadtgesellschaft, biologische und kulturelle Diversität sowie für Bauernmarkt statt Supermarkt. Bei uns pflanzen Menschen unterschiedlicher Herkunft viele verschiedene Gemüsesorten: bunten Mais aus Brasilien, gelbe Tomaten aus Brandenburg, rote Kartoffeln aus Schweden, lila Bohnen aus Ungarn und vieles mehr. Damit zeigen sie den Reichtum und die Vielfalt des naturnahen Gärtnerns. Die Gärtner*innen des Allmende-Kontors sensibilisieren damit für vielfältige und hochwertige Lebensmittel sowie für eine Landwirtschaft, die die Natur, globale Gerechtigkeit und faire Produktionsbedingungen respektiert. Wir sehen uns als Brücke zwischen Stadt und bäuerlicher Landwirtschaft und damit als Teil einer globalen Bewegung für Ernährungssouveränität.

Die gute Nachricht: Jedes Jahr gehen zehntausende Menschen bei der “Wir haben es satt!”-Demonstration in Berlin auf die Straße, um sich gegen industrielle Landwirtschaft, Dumpingpreise, Ausbeutung von Mensch und Natur, Monokulturen, Agrargifte, Klimawandel, Konsum- und Wachstumswahn auszusprechen. Für genau dieses Geschäftsmodell steht Aldi. Aldis Botschaft “einfach ist mehr” ist nichts anderes als der verzweifelte Versuch, uns als Verbraucher*innen entmündigen zu wollen und jede Wahlmöglichkeit zu nehmen. Statt Vielfalt soll uns weiter industriell erzeugter Einheitsbrei vorgesetzt werden. Die Tatsache, dass Aldi und seine kreativen Werber von Oliver Voss und Ogilvy & Mather sich mit Bildern aus einem Gemeinschaftsgarten schmücken, der für das exakte Gegenteil der Kampagne steht, nämlich für Vielfalt statt für Vereinheitlichung, ist mehr als nur eine Frechheit oder primitives Greenwashing eines Discounters.

Im Geiste des Urban Gardening Manifest und in Solidarität mit allen Bäuer*innen, die für eine bunte und ökologische Landwirtschaft kämpfen: Viva la via campesina!

Urban Gardening Manifest:
http://urbangardeningmanifest.de/

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2 Kommentare

  1. „Liebe Freund*innen und Feinde des urbanen Gärtnerns, Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord greifen in einem Werbespot eine ganze Bewegung an, die sich für vielfältige, gesunde, ökologische und fair produzierte Lebensmittel einsetzt. Sie benutzen dabei ohne unsere Zustimmung den Berliner Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor als Kulisse, um die Botschaft von einer vermeintlich “nutzlosen Vielfalt“ zu verbreiten.“

    Oh la la … ich habe mir den knapp 3 minütigen Werbespot angesehen. Wenn man den Berliner Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor nicht gerade als Foto neben hin legt oder nicht selbst einen direkten Bezug zu dem Garten hat, dann fällt es wirklich schwer, die Verbindung herzustellen. Ich sehe eine genutzte Grünfläche, die von ein paar Menschen bearbeitet wird.

    Entspannt Euch!

  2. „Einfach sein“ ist die hauptbotschaft in den werbespot. Die Vielfalt wird auf den heutigen luxusstandard bezogen und es wird dazu aufgerufen wie früher mit weniger Konsum zufrieden zu sein. Der Garten und die Kinder in dem Video demonstrieren in meinen Augen das „einfache Leben“. Selbst beim gezielten suchen nach einem Angriff gegen das Prinzip der gemeinschaftsgärten ist es schwer den dargestellten Zusammenhang zu finden.
    Aus meiner Sicht ein sehr unpassender Beitrag für eine „gute Nachrichten“ webseite. Hier wird eher gezielt nach Fehlern gesucht

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