Das Leben will uns ganz

Foto: Kristopher Roller

Von Katharina Sebert. Wenn dich das Leben wie mich in den letzten Monaten durch enge Nadelöhre geführt hat, die dir Vertrautes entrissen und Altes abgestreift haben, hast du Etliches hinter dir gelassen, was dir kostbar, wertvoll und wichtig war und wurdest du von Gewohnheiten, Menschen, Situationen und Orten weggeführt, deren Zeitfenster sich geschlossen haben. Anfangs war der Schmerz vielleicht zu groß, um dich offen, vertrauensvoll oder gar neugierig darauf einlassen und aufbrechen zu lassen, um den Sinn des Abschieds zu erkennen und dich ihm anzuvertrauen. Doch unaufhaltsam wurde die Kluft zwischen dem Gewesenen und dem noch unbekannten Neuen immer größer und hat dich in das Grenzland zwischen dem nicht-mehr und noch-nicht geführt.

Größeres wirkt

Immer mehr entzieht sich in solchen Phasen das bisherige Leben und Sein deiner Kontrolle und lehrt dich Hingabe an das Größere, das hier wirkt, damit du dem noch nicht wahrnehmbaren Duft neuer Kontinente folgst, dem Ruf deines Herzens und der Seelensehnsucht nach Erfüllung des heiligen Traums deines Lebens.

Vielleicht hast du dich anfangs immer wieder gegen die Veränderung gewehrt und dich ihr nach langem Ringen letztlich anvertraut. Schmerzhaft war dieser Weg vermutlich an vielen Stellen, gekämpft hast du im Behalten- und Aufrechterhalten-Wollen und schließlich doch losgelassen und gelöst, möglicherweise geklagt über die Intensität dieses Prozesses und irgendwann im Zentrum des Schmerzes den Urgrund deiner Seele berührt und zugleich eine neue Ebene deines Seins erreicht.

Metamorphose

Dort angekommen wurde aus deinen Schmerzensrufen Stille, aus deinem Ringen Einverstandensein und aus der Hoffnung auf Rückkehr in das Bekannte und Vertraute die Hoffnung auf ein neues Leben in noch unbekannten, doch sich schon urvertraut anfühlenden Gefilden. Friede kehrte ein und langsam auch Freude an der neuen Weite und Freiheit, den neuen Möglichkeiten und Aussichten. Die alten Häute haben sich fast unmerklich gelöst und aus den Feuern der Transformation bist du neu und hoffnungsvoll auferstanden.

Ein neuer Morgen und persönlicher Frühling hat sich während des gesamten Raupenauflösungs- und Verpuppungsprozesses vorbereitet. Du hast es unter all dem Ringen und Sitzen mit deinem Schmerz kaum wahrgenommen und doch hat etwas Heiliges im Untergrund immer mehr Substanz bekommen und nun spürst du nach all dem Zusammenbruch und Umbruch endlich wieder Aufbruch, Zuversicht und Freude. Du hast dich selbst ausgetragen und neu geboren.

Wie will das Leben dich?

Das Leben meint es ernst mit dir. Es will dich spüren, mit dir tanzen, vollständig eintauchen und feiern, denn es geht nicht darum, dass du die Dinge benennen und analysieren, über sie diskutieren und philosophieren kannst. Leben ist keine Theorie und keine Generalprobe, es ist keine Veranstaltung, bei der du im ZuschauerInnenraum sitzt. Es ist die Bühne selbst, der heilige Grund und Boden, auf dem du in jedem Augenblick die gnadenvoll glorreiche Hauptrolle spielst.

Du musst eintauchen, um das Leben wirklich zu erfahren. Du musst bereit sein, dich vollständig hinzugeben, dich vom Leben tanzen, atmen, singen, lachen, weinen und lieben zu lassen. Du musst alle Vorstellungen und insbesondere die Kontrolle aufgeben, wie es sein sollte und das Leben wird dir die heilig-heilsame Seelenmusik sein, mit und in und durch deren Rhythmen du dich bewegst. Es rüttelt immer und immer wieder an deinen Grundfesten, um dich aufzuwecken und einzuladen:

Sag mir, was ist es, was du mit diesem einen wilden und kostbaren Leben vorhast? – Mary Oliver

Das Leben ist ein Abenteuer und wenn es keines ist, ist es kein Leben

Wir sind nicht in diese Welt und Zeit gekommen, um lauwarm, zurückhaltend, vorsichtig und sicherheitsversessen, schal, halbatmend und dämmerschlafend unsere gnadenvolle Lebenszeit auf Erden mit dem Warten auf Wochenende, Urlaub, Rente und bessere Zeiten zu vertun, sondern um hier und jetzt und jeden Tag weiter, tiefer und mehr, lebendig, hellwach und freudvoll, proaktiv, kreativ und positiv alle Facetten unseres Potenzials zu entfalten und zu feiern, um unsere Medizin zu verkörpern und damit uns und der Welt Heilung, Zuversicht und Hoffnung zu sein, um in unserem strahlendsten Sein und Tun an einer guten Gegenwart und Zukunft für uns und alle Wesen mitzuweben und in Einklang mit dem großen Ganzen unseren Anteil zu diesem kosmischen Orchesterklang beizutragen.

Ein solcherart gelebtes Leben ist nicht ‚und jeden Tag grüßt das Murmeltier‘, sondern ein Abenteuer jeden Tag aufs Neue. Immer wieder erfrischend wie ein Gebirgsbach, sprudelnd wie eine Quelle, anregend wie eine kühle Brise, erhebend wie eine Welle im Ozean und erneuernd wie das Grün des Frühlings nach einem langen Winter.

Du bereust nur, was du nicht lebst

Das Vertraute wird dir immer wieder entrissen, damit du neue Kontinente erkundest und bewohnst, denn nichts wiegt am Ende des Lebens schwerer als das ungelebte Leben und Lieben. Alles in unserem Kosmos ist immer auf Wachsen, Weiten und Entwicklung ausgerichtet. Was unverändert bleibt, wird schal, was sich bewegt und tanzt, bleibt lebendig. Du bereust nicht, was du erforscht, gewagt und riskiert hast, sondern was du trotz Seelensehnsucht nicht gelebt und geliebt, zum Ausdruck gebracht und verwirklicht hast.

Lass nicht Ängste, Bedenken und Sorgen dein Leben regieren, sondern Offenheit, Neugier und Lust auf Neues. Das Leben will uns ganz, es will uns mutig und heldinnenhaft. Es will uns lebendig sehen, in Bewegung, bereit zu Veränderung, offen für die Gelegenheiten, die es uns bietet, spontan, authentisch und flexibel. Es will, dass wir ihm beide Hände reichen und laut und klar mit unserem Sein und Tun verkünden, dass wir es ernst meinen mit dem spielerischen Tanz des Lebens.

Was ist es also, was du mit diesem einen wilden und kostbaren Leben machst?

Was ist es Heilsames, Schönes, Freudvolles, Liebenährendes und Friedenstiftendes, was sich durch dich verwirklichen will? Welche Sehnsucht trägt, nährt und beflügelt dich? Was wartet (noch) auf Verwirklichung? Welche Träume wollen und müssen sich wachtanzen, damit du eines Tages weißt, dass du wirklich gelebt und dem Leben beide Hände gereicht hast, die-der warst, die du hättest sein wollen in unserer Welt des Umbruchs und Wandels und mit der Gelegenheit, dies in guter Weise mitzugestalten?

Das Leben und die Liebe wollen uns ganz und mit jeder Faser unseres Seins. Sie wollen uns tief und weit, lebendig und freudvoll, vollatmend und mutig, heldinnenhaft und beharrlich das feiernd erschaffen sehen, was uns wirklich seelenbedeutsam und herzenswesentlich ist. Sie wollen (mit) uns einen Mutterboden erschaffen, auf dem wir und unser Leben wächst, grünt, blüht und gedeiht und Blüten, Früchte und Samen hervorbringt, die dem Frieden, der Freude, der Vergebung, der Weisheit, der Verbundenheit, der Liebe, Fülle, Schönheit und Gnade dienen.

Hier und Jetzt ganz DU zum Wohl aller Wesen

Nur ganz und gar lebendig sind wir die, die wir sein wollen und können, als die wir gekommen sind in diese Zeit des Wandels auf Erden. Wir gebären damit nicht nur uns, sondern die Welt, die wir uns für uns und alle Wesen wünschen. Lebendig sein heißt, mit wachem Geist, weitem Herzen und wildem Schoß wahre Menschen zu sein, die dem Wohl aller Wesen dienen. Bist du dabei?

Das Leben und die Liebe wollen uns ganz und mit jeder Faser unseres Seins.
Lass uns ihnen mit einem lauten und freudigen JA beide Hände reichen.

Zur Autorin: Katharina Sebert ist Heilpraktikerin, Wegbegleiterin, Lehrerin, Autorin, Heilungs- und Friedensaktivistin, Lebens-, Liebes-, Glücksforscherin und allzeit Lernende beim Zentrum für Tiefenheilung ‚In guten Händen‘ (www.in-guten-Haenden.com). Sie bietet Heilungs- und Ermächtigungs-Kreise, -Seminare, -Ausbildungen und Urmuttercamps für Frauen an, hat das Format des WildgansFrauenFlugKreises entwickelt und bildet Frauen zu Kreisleiterinnen aus. Sie kommt zu dir in deine Stadt und in deinen (Frauen)Kreis, wenn der Weg nach München zu weit ist, und versendet monatlich einen kostenlosen Inselbrief, den man auf ihrer Webseite abonnieren kann. Dort kann man auch die ‚Botschaftenkarten der Liebe‘ ziehen.

Ihr Fokus ist Heilung in der Tiefe der Seele, wo wir wieder erinnern, wer wir wirklich sind, bereit sind, alle Schatten zu integrieren und unsere wahre Schönheit, Größe und Würde zu leben, um SchöpferInnen und HeldInnen unsers Lebens und Wirkens zu sein – zum Wohle von uns und allen Wesen, denn erst dann fühlen wir uns in uns, im Leben, in der Welt und im Universum in guten Händen.

Katharina Sebert hat die Urmutter-Methode® entwickelt, eine Tiefenheilungsmethode zur Erlösung unbewusster Lebens- und Glaubensmuster, und begleitet Menschen telefonisch, aus der Ferne und vor Ort auf ihrem Heilungs-, Erinnerungs-, Bewusstseins- und Medizinpfad: „Unser Wirken dient der Liebe und Vergebung, der Erinnerung und Heilung, der Gemeinschaft aller Wesen und dem Weltfrieden.“

Des Weiteren ist Katharina Kreiskoordinatorin und Mitglied des Wisdom Councils von Gather the Women Global Matrix™, einer weltweiten Schwesternschaft, die Frauen verbindet, indem sie in Kreisen zusammenkommen. Frauen aller Himmelsrichtungen, Kulturen, Traditionen, Länder, Altersstufen, Hautfarben, Erfahrungen und Kompetenzen, die Hand in Hand, Herz an Herz und Schulter an Schulter stehen, einander bekräftigen und ermutigen, sich in ihrer ganzen Größe, Würde, Schönheit, Weisheit und Kraft zu zeigen, und gemeinsam für eine friedvolle, verbundene und lebensunterstützende Welt ein- und aufstehen.

– Anfragen, Infos und Terminvereinbarung unter Katharina@in-guten-Haenden.com

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16 Kommentare zu “Das Leben will uns ganz
  1. Liebe Katharina
    Dein Text berührt bis tief ins Herz 🙏 ALL-es ist gesagt, mit Worten wunderbar treffend ausgemalt und spricht genau so aus meiner Seele. Ich habe mich oft gefragt, wie dieser Wandel zu “beschreiben” ist. Du bringst es für mich auf den goldenen Punkt – einfach magisch, herzlichen Dank ❤️
    Nadja 💞💖💓

  2. Avatar Gudrun sagt:

    Liebe Katharina,

    immer wieder so schön, nährend und inspirierend, Deine Texte. Und immer haben sie auch etwas mit mir zu tun.. Ich habe das Nadelöhr auch fast hinter mir, der Prozess ist nicht linear. Eine große Herausforderung, aber die neue Weite öffnet sich immer mehr und die Lebendigkeit und Freude kehren zurück!
    Ich wünsche uns Allen ein mutiges abenteuerliches lebendiges Leben 🙂

    Herzensgrüße,Gudrun

    • Gudrun, du Wundervolle, ich gratuliere dir und warte jenseits des Nadelöhrs, um dich willkommen zu heißen und wir beide wissen: Nach dem Nadelöhr ist vor dem nächsten. Spiralförmig sind unsere Wege und Neugeburt eine tägliche Einladung. Das Leben will uns ganz und gar! Ach, du Liebe, ich segne unsere Medizinpfade und umarme dich allerherzlichst! 💗💐☀️

  3. Liebe Katharina, das hast du wieder wundervoll auf den Punkt gebracht 🙏💜💃👑…könnte die Zusammenfassung meines 2019 sein…es tut gut, deine Zeilen zu lesen. DANKE von 💜en.

    • Wow, was für ein bewegtes Jahr du hast und hattest, Katrin, wir beide und unendlich viele mit und. Alles Liebe für dich und Freude, Freude, Freude an dieser wahrlich wundervollen Entfaltung! Ich umarme dich von Herzen! 💐🌸💫

  4. Avatar Alexandra sagt:

    Danke aus tiefstem Herzen für diese Worte, liebe Katharina. Sie erreichen mich tief wissend und ahnend in turbulenten Zeiten. Und JA, ich bin bereit. Seit einigen Tagen erst geh ich mit der Gewissheit “Ich bin willkommen” und übe mich in gänzlicher liebevoller Annahme all der Teile die ich bin und die sein wollen. In meinem Tempo und wissend es geschieht, weil ich es will.

  5. Avatar Roswitha sagt:

    Liebe Katharina,
    deine Texte beschreiben meine Zeit, es ist wohl die Verbundenheit mit jedem und allem. Das hält und trägt. Alles soll so sein und macht Sinn.
    Dankbarkeit 🙏
    Herzlich Roswitha

  6. Avatar Christina sagt:

    Danke für Deine kraftvollen Worte. Genau so.

  7. Avatar Käthe Kovacs-Hoffmann sagt:

    Liebe Katharina, mein Leben war von Beginn an damit gesät worden, die Herausforderungen des Lebens immer wieder aufs Neue zu erkennen, sich ihnen zu stellen und daran zu wachsen. Oft war es schmerzhaft, hat mich gequält und es war wahrlich sehr in der Tiefe grabend. Anscheinend hat sich in meiner Kindheit etwas zugetragen, dass mir diese unbändige Lust am Leben leben eingepflanzt hat. Ich habe diese Lust und auch diese Fähigkeit mein Umfeld damit anzustecken nie wahrgenommen oder vielleicht auch nicht selbst anerkennen können. Die letzten 12 Jahren haben mir wieder diese wundervolle Chance zuteil werden lassen, dass ich ein wunderbarer Teil dieser Erde hier und im jetzt bin. Dankbar und demütig dem täglichen Sein. Wir dürfen uns jeden Tag aufs Neue feiern….Herzensumarmung Käthe

    • Oh, Käthe, was für eine wundervoll-nährende Medizin ist es, dass du unbändige Lust am Leben hast und mit ihr auch dein Umfeld inspirierst und ansteckst! Ich segne dich und die vielen Feuer, die du damit entzündest, auf dass wir für das Leben und die Lust am Leben weiterhin gehen und stehen. Alles Liebe für dich und eine Herzensumarmung!

  8. Avatar Mona sagt:

    “Das Leben ist ein Abenteuer und wenn es keins ist, dann ist es kein Leben!”

    Oh, wie wahr!!

    Ich kann nicht bereuen, was ich nicht lebe. Denn ich bin eine Randfigur, in der Gesellschaft nicht präsent und unerwänscht. Wie kann ich leben, wenn das Leben mich abstraft? Leider hat nicht jede/r das Gück, versorgt zu sein, aufgefangen zu sein, Netzwerke zu haben die funktioniern, oder hat Familie, Kinder, Freunde, Freude oder gar einen Arbeitsplatz oder Wohnraum der ihm gut tut…

    Was ist mit diesen Menschen, den Randfiguren, die nicht mithalten können, die aber leider noch nicht gehen dürfen… Menschen, die auch Teil unserer Gesellschaft sind, dort aber ausgegrenzt sind und unerwünnscht…

    Wie sollen diese das umsetzen was oben beschrieben ist….???

    Teil 1 meines Kommentars.

  9. Avatar Mona sagt:

    Fortsetzung:

    “Das Leben ist ein Abenteuer und wenn es keins ist, dann ist es kein Leben!”

    Lässt die Gesundheit nach, weil sie nicht mehr finanzierbar ist und der Wohnraum, sofern vorhanden eher der Gesundheit schadet als sie fördert… wenn ein Arbeitsplatz nicht mehr zu bekommen ist, weil das “Verfallsdatum” auf der Stirn der Bewerber/innen leider abgelaufen ist und eine Teilhabe am sozialen wie gesellschaftlichen Leben sehr fragwürdig geworden ist… Wenn man abgehängt auf dem Land überleben muss, nicht mobil genug ist, ium am Leben teilzunehmen, auch am Berufsleben… wenn Behörden das Zepter in der Hand haben und dem Menschen seine Würde nehmen…. als Alleinstehende/r in dieser Gesellschaft autark sein zu können, weil er/sie anders nicht leben kann und will… wie soll das gehen…???

    Hat jemand darauf eine Antwort ???

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