Mit Choas leben

Foto: Paro Bolam

Foto: Paro Bolam

Ich liebe Ordnung: Irgendwann in meinem Leben wurde mir klar, dass ich mit viel innerem Chaos gesegnet bin, und dass mir eine gewisse Ordnung gut tut, als Ausgleich.
Doch es gibt Zeiten, in das Chaos in meinem Leben größer ist, als alle meine Ordnungsbestrebungen. Zeiten, in denen es mehr zu tun gibt, als ich realistisch schaffen kann: Ein Tag ist begrenzt, und meine Kräfte sind es auch (wer kennt das nicht?).

Dann versuche ich als Erstes aus alter Gewohnheit, das Chaos gar nicht wahrzuhaben. Ich mache einfach weiter wie vorher und wundere mich, dass ich immer hektischer werde. Ich beginne Dinge zu vergessen, bemerke, dass meine Wohnung immer unordentlicher wird. Ich merke, dass ich schon seit zwei Wochen keinen Blogbeitrag veröffentlicht habe, dass ich nicht zum Malen komme, dass die Zeiten, die ich mir für private Vergnügungen nehme, immer seltener und kürzer werden. Meine ganze schöne Ordnung geht verloren.

Als Zweites versuche ich dann meistens, mehr zu arbeiten, mehr zu erledigen, mich besser zu organisieren, um am Ende wieder mehr Ordnung zu haben und mich wohl zu fühlen.
Dann werden sogar der Spaziergang, die Meditation, das Treffen mit Freunden fest eingeplant und ich hake sie ab wie alle anderen Punkte.
Das hilft, ja, es hilft wirklich!
Aber wenn ich mit diesem Schritt zu lange warte, bringen mir die schön eingeplanten Freizeiten keine Freude. Ich bin zum Sklaven meiner Ordnungs-Erzeugung geworden und kann nicht aufhören, zu rattern und zu planen, und insgeheim auf die Uhr zu schauen.

Drittens werde ich in solchen Zeiten regelmäßig gezwungen, die Notbremse zu ziehen, indem ich zum Bespiel krank werde. Das ist nicht angenehm, aber irgendwie logisch: Wenn ich meine eigenen organischen Rhythmen täglich übergehe und nur noch einem “höheren” Ziel – der Ordnung – diene, werden sich diese Rhythmen (hoffentlich) irgendwann melden und ihr Recht fordern.

Und Viertens lerne ich zum Glück dazu, und schaffe es manchmal sogar, freiwillig STOPP zu sagen und wieder mit mir in Einklang zu kommen! Ich bin mir sicher, jeder von euch kennt das ebenfalls. Und jeder von euch hat wahrscheinlich seine oder ihre Methoden, den Bann der blindencr Pflichterfüllung zu durchbrechen.

Ich mache das meistens so (und manchmal ganz anders 🙂

1) Ich freunde mich mit der Idee an, dass Chaos gar nicht so furchtbar ist.

2) Ich nehme in Kauf, dass die Welt zusammenbrechen könnte, wenn ich nicht “meine Pflicht” tue (habe ich das wirklich geglaubt?).

3) Ich steige innerlich komplett aus, begebe mich auf eine völlig andere Ebene, auf der Ordnung und Chaos Freunde sind, die miteinander tanzen.

4) Ich genieße es, Dinge zu tun, für die ich eigentlich gerade “keine Zeit” habe. Zum Beispiel, diesen Blogbeitrag zu schreiben.

5) Ich gehe wieder mal in mein Atelier und male. Heute Abend! (Ach ja, es ist ja sogar Dienstag).

Das Intuitive Malen duldet es nicht, wenn wir uns für oder gegen das Chaos, für oder gegen die Ordnung entscheide. Es duldet nicht, wenn wir versuchen, innerlich vor irgendetwas wegzulaufen. Es duldet nicht, wenn uns unsere Pläne wichtiger sind als die kostbare Realität.

Es will uns ganz, es will alles von uns
Es will alles von diesem Moment – unseren Atem, unseren Druck, unsere Angst, unseren Freude
Es will auch unser Chaos in all seiner unglaublichen Schönheit und Wildheit. (Und ja: auch unser Ordnungsbedürfnis und alles andere!)

Paro Bolam

Paro Bolam

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3 Kommentare zu “Mit Choas leben
  1. Anja, 73 sagt:

    Ach ja, (seufz) mir geht es oft genauso – aber eigentlich erst seit ich in Pension bin – vorher wusste ich:
    das MUSS erledigt werden – aber jetzt bin ich oft zu müde – meine Malsachen verstauben im Schrank –
    zum spazierengehen tun mir die Beine und Füsse zu weh – aber lesen tu ich zuviel – und die Berge Bücher werden zuviel und brauchen zu viel Platz – sie zu verschenken ist mühsam – (da ich keine Romane und ähnliches lese) ich verschenke eine Menge Klamotten, da ich immer weniger brauche – aber ich halte mich noch immer an den Herbst- und Frühjahrsputz – und einmal im Jahr mach ich mich fit für eine Reise auf der viele Besichtigungen anfallen und 2 – 3 Std. Laufen (Hügel rauf, Hügel runter) – dann braucht es wieder viel Energie die Reisefoto´s einzukleben, usw. – ja, und meine Biographie habe ich auch schon lange ANGEFANGEN – aber bei den schmerzhaften Zeiten stellt´s mir immer ab – und meine Töchter interessiert es sowieso nicht – meine Freundinnen schon, die sagen ich hatte ein sehr interessantes Leben – oh ja, viel Arbeit – viel Schmerz – viel Verantwortung – viel Erfolg – auch ab und zu viel Freude – das erklärt warum ich jetzt so müde bin und ab und zu mein Chaos überblicke und denke –
    „ist doch auch schön – nicht mehr dauernd zu MÜSSEN „- und alle finden es bei mir gemütlich !!!
    Danke für den Aufsteller und liebe Grüsse, Anja

  2. Claudia sagt:

    Was für ein mutmachender, wundervoller Artikel- DANKE dafür, liebe Paro Bolam!
    Manchmal kann ich es garnicht fassen, dass mein Chaos mich immer wieder einholt, überflutet, wenn ich meinte alles „gut im Griff“ zu haben. Da tut es gut, an den freundlichen Blick darauf erinnert zu werden. :o)

  3. Sunrise Amirana sagt:

    danke für den super schönen Beitrag, ist auch mit Humor verfasst :-))
    Mit Freude :-)) im Chaos, das hat schon was :-))

    Liebe Grüsse..

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