Das Lied des Lebens

Der Dokumentarfilm „Das Lied des Lebens“ zeigt den Komponisten Bernhard König dabei, wie er Menschen ab 70plus zu neuem Leben und Glück durch Singen und Musizieren verhilft. Anhand biographischer Interviews zeigt sich aus den persönlichen Träumen und Traumata jeweils das
Lied ihres Lebens. Eine erblindete Psychologin wird zur Pianistin in der Essener Philharmonie.
Ein halbseitig gelähmter Akkordeonspieler wird mit dem virtuosen Quartett „Uwaga!“ vital und
frisch. Eine Dame, die als 14-jährige bei der ersten Liebe schwanger geworden ist, findet, unterstützt von den Neuen Vocalsolisten Stuttgart, die Formel ihres Lebens: „Kann denn Liebe Sünde sein?“

Bernhard König ist ein hunderprozentiger „Überzeugungstäter, wenn er über seine neuartigen Musikkonzepte für alte Menschen spricht. Begeistert von der Schönheit der alten „faltigen“ Stimmen, vermittelt er Senioren, wie man Musik meditierend, trauernd, liebend, lernend, protestierend, staunend und beglückt erleben kann.

Foto:Lichtfilm

Foto:Lichtfilm

Im Stuttgarter Generationenzentrum Sonnenberg führt der Musiker biographische Interviews
mit alten Menschen, um deren verschüttete Träume und Traumata aufzuspüren. Zentrales Thema sind die „Lieblings- und Lebenslieder“. Lieder, die in der eigenen Biographie
verankert sind und für eine ganz besondere Geschichte oder Erinnerung stehen.
Bei der 78jährigen Magdalena Reisinger löst das Lied „Kann denn Liebe Sünde sein“ einen
emotionalen Ausbruch aus. Mit vierzehn Jahren ist sie schwanger geworden. Geächtet
von den Dorfbewohnern, täglich von ihrer Mutter verprügelt, brachte sie als fünfzehnjähriges
Mädchen eine Tochter zur Welt. Dieses Erlebnis, das auf dramatische, aber auch
beglückende Weise ihr Leben geprägt hat, ist für Bernhard König der Ausgangspunkt, das
‚Lied des Lebens’ von Magdalena Reisinger zu komponieren. Stärker als im bloßen Erzählen
und Erinnern, kommen in solchen Lebensliedern sehr intensive Emotionen zum Ausdruck.
In der Eintönigkeit des Altenheims werden aus bedrückten, erstarrten Senioren
klingende und leuchtende Menschen.

lichtdeslebensDiese Arbeit setzt Bernhard König in Köln mit dem Experimentalchor „Alte Stimmen“ fort.
Hier darf mitsingen wer mindestens 70 Jahre alt ist und Lust auf musikalische Experimente
hat. Der älteste Chorsänger Alfred Adamszak ist 91, und kein bisschen müde –
trotz der schlimmen Kriegserlebnisse und der schmerzhaften Abschiede von geliebten
Menschen. Auch diese Biographie nimmt der Komponist zum Anlass, um zusammen mit
dem Chor ein Lied von ergreifender und expressiver Stärke zu entwickeln.
Obwohl Bernhard König seit vielen Jahren Musik für die abenteuerlichsten Anlässe erfindet,
hat er noch nie ein Projekt erlebt, das so viele Überraschungen bereithält und eine
solche zwischenmenschliche Dynamik und emotionale Tiefe entwickelt. Die Autorin Irene
Langemann hat seine Arbeit über Monate begleitet und dokumentiert, wie die Magie der
Musik die Senioren am Neckar und Rhein beflügelt, wie aus ihren Liebesgeschichten, aus
Leidgeschichten Lebenslieder einer Generation werden, die viel durchgemacht und viel
zu erzählen hat.

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