Wie finde ich meinen Platz?

Wie finde ich meinen Platz?

Foto: Grit Scholz

Selbst machen, oder mitmachen? Von Grit Scholz. Bist du jemand, der/die viele Ideen hat und diese auch umsetzt? Oder hast du die Erfahrung gemacht, dass du eher bei etwas mitmachen magst, was andere sich ausgedacht haben?

Um es vorn weg zu schicken, nichts davon ist besser oder schlechter – beides ist wertvoll und wunderbar und wichtig. Wirklich von Bedeutung kann jedoch sein, ob du dir an der Stelle, deiner selbst bewusst bist, oder nicht. Je nach Lebensphase und Situation, kannst du dich mal in der einen, mal in der anderen Rolle wieder finden. Vielleicht gibt es auch unterschiedliche Bereiche in deinem Leben, wo du an manchen Stellen Macher/Macherin bist und an anderen Stellen gern einfach mitmachst.

Macht kommt von Machen

Im Laufe meines Lebens, in dem ich auch einige Gemeinschaftserfahrungen machen durfte, in Gemeinschaften von 10 bis 40 Menschen, fragte ich mich oft, warum es an bestimmten Stellen überall die gleichen Schwierigkeiten gab. Das waren Stellen, in denen es um Macht und um Machen ging, um das tagtägliche Tun und darum, seinen Platz zu finden.

Ich erkannte, dass jeder Mensch besonders ist und einzigartig und in jedem Moment seinen stimmigen Platz finden muss, um sich glücklich zu fühlen. Wir müssen auch erkennen lernen, wann es an der Zeit ist, den Platz zu wechseln und uns darüber bewusst sein, warum.

Wir Menschen sind sehr unterschiedlich und verändern und entwickeln uns ständig. Mir fiel auf, dass es immer einige gibt, die viel Energie haben, viele Ideen und auch die Kompetenzen, diese Dinge anzupacken und tatsächlich umzusetzen, ihre Träume auf die Erde zu bringen. Oft braucht es dazu Unterstützung, je nachdem wie groß der Traum ist, um was für eine Idee oder Projekt es sich handelt. Da werden dann Menschen mit den vielfältigsten Fähigkeiten gebraucht, die sich begeistern lassen und tatkräftig mitmachen.

Eine Gemeinschaft, in der alle Macher/Macherinnen sein wollen und niemand etwas mitmachen will, kann genauso wenig funktionieren, wie eine Gemeinschaft, in der alle nur mitmachen wollen und niemand bereit ist, den Hut aufzusetzen.

Gleichberechtigung heisst nicht, dass alle das Gleiche tun müssen

Das Thema Gleichberechtigung ist wunderbar, solange man es nicht damit verwechselt, dass alle Menschen gleich sind und alle das Gleiche machen müssen. Genauso ist es mit der Demokratie, oder dem Konsens. In manchen Bereichen macht es einfach keinen Sinn, Hierarchien abzuschaffen, manchmal werden sie gebraucht. Sie sollten aber nicht missbraucht werden.

Wenn zum Beispiel die, die mitmachen, sich nicht ausreichend gewertschätzt fühlen, wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, kommt es schnell zu Unzufriedenheit und Widerstand gegen die Macher. Genauso, wenn jemand etwas mit macht, ohne das wirklich gut zu finden, was er da tut, verletzt er sich selbst, in seiner Würde.

So wie im Großen, ist es auch im Kleinen. Wenn ein Angestellter nicht würdevoll behandelt wird und Dankbarkeit und Wertschätzung fühlt, wird er seinen Chef verfluchen, oder neidisch auf dessen Macht sein. Mensch fühlt sich benutzt und wird auch keine Wertschätzung seinem Chef gegenüber fühlen können. Er wird seine Tätigkeit eher mit Widerwillen tun, oder sich beliebt machen, um aufzusteigen um aus dieser undankbaren Position zu entkommen, nur um zu spüren, dass die anderen Positionen auch undankbar oder unzumutbar sind. Nicht selten behandeln solche Aufsteiger ihre Helfer und Unterstützer genauso ungerecht, wie sie selbst behandelt wurden.

Wie finde ich meinen Platz?

Foto: Grit Scholz

Innere Konflikte erkennen

Wenn Menschen in die Verweigerung kommen, nicht mehr mitmachen wollen, jedoch selber einfach in dem Moment keine Macher sind, dann führt das in eine Sackgasse von NICHTS mehr machen und Sinnlosigkeit, bis hin zu Depressionen.

Wenn Menschen sich zwingen, etwas mitzumachen, was gar nicht IHR Ding ist und eigene Ideen haben und das Zeug dazu, diese umzusetzen, sich aber nicht trauen, dann führt das ebenfalls in eine Sackgasse, die sich oft in Form von Krankheiten wie Krebs oder Burnout zeigt. Unzufriedenheit auf der ganze Linie. Deshalb ist es wesentlich, sich selbst im Klaren zu sein, wie man sich bewegt, wie man selbst funktioniert, was gerade stimmig ist.

Die Achtung vor den jeweils Anderen, denen die Verantwortung tragen und Macher sind, oder vor denen, die eine Umsetzung überhaupt ermöglichen, da sie sich hingeben und mitmachen – ist die erste Voraussetzung, um diese Stelle, die so oft zu Frust führt, zu entlarven.

Wenn Macher und Mitmacher einfach ganz und gar dankbar sind, dass es die anderen gibt, dann ist die nötige Wertschätzung schon darin verborgen. Wenn klar wird, dass die einen nichts ohne die anderen könnten, dann führt das zu gleicher Augenhöhe – auf der Ebene des MenschSeins.

Es kommt also darauf an, tief in dich hinein zu lauschen und ganz ehrlich zu sein. Kannst du fühlen, dass du gerade ein Macher bist, dann mach. Suche dir Menschen, die dich unterstützen und sei dankbar, wenn du jemanden findest, der mitmacht. Behandle deine Mitmacher respektvoll und sorge dafür, dass sie sich wohl fühlen und das sie das, was sie tun von Herzen gern tun und dabei glücklich sind.

Wenn du fühlen kannst, dass du gerade ein Mitmacher bist, dann sei dir deines Wertes bewusst! Tu nicht so, als wäre ein Macher etwas besseres als du. Denn ohne dich, wäre er machtlos.

Begeisterung und Freude sollten dein Kompass sein

Suche dir einen Chef, dem das bewusst ist und der dich wertschätzt. Doch dafür musst du das unbedingt selbst tun! Gleichzeitig solltest du Dankbarkeit und Freude empfinden können, dass du eine Aufgabe bekommst, bei der du mitmachen kannst. Du solltest sehen, dass es nicht selbstverständlich ist und nicht immer leicht, ein Projekt oder eine Firma zu leiten, die Verantwortung für so vieles zu tragen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass alles gelingt, so dass auch deine Arbeit fruchtbar ist und nicht umsonst war.

Wenn du schon öfter zwischen diesen beiden Rollen hin und her gewechselt hast, dann wirst du das ganze Spiel in seiner Gesamtheit begreifen können und dich, egal welche Rolle du gerade spielst, wertvoll und richtig fühlen und wissen, worauf es ankommt.

Ich sehe oft, dass Menschen einfach am falschen Platz stehen. Macher sich weigern, zu machen und Mitmacher sich weigern, mit zu machen. Dabei entsteht so viel Frust und viele gute Ideen scheitern, weil die Dynamik dahinter einfach nicht liebevoll und tragend ist, sondern durch die Unstimmigkeit in den einzelnen Menschen die ganze Sache unstimmig wird.

Wenn jemand sich mehr zutraut, als er imstande ist zu leisten, kann das genauso traurig sein, als wenn eine schöpferische Kraft nicht gelebt wird, nur weil jemand nicht nach vorn geht.

Hier braucht es Ehrlichkeit zu sich selbst, jeder Mensch kann das ganz genau in sich spüren. Woher kommt die Motivation, dies oder das zu tun, oder eben nicht zu tun? Es gibt Menschen, die sind im wahrsten Sinne des Wortes Größenwahnsinnig und es gibt die, die sich regelmäßig unter ihren Scheffel stellen.

Mache dein Leben zu einem lebendigen Tanz

Ganz egal, ob du gerade zu den Machern oder Mitmachern zählst – sei dir selbst so wertvoll, dass du ganz genau wählst – WAS du machen willst oder WOBEI du mitmachst. Mitmachen kann nur gut gehen, wenn du es zu deiner eigenen Sache machen kannst und dich ganz und gar wohl fühlst dabei. Machen kann nur gut gehen, wenn du Menschen findest, die diese Sache begeistert mittragen und du ihnen zutiefst dankbar dafür bist.

Und wisse, alles ist in Veränderung, in jedem Moment, Lebendigkeit heisst Bewegung. Wir müssen nicht nur lernen, unseren Platz zu finden, sondern auch unseren Platz zu wechseln, sobald es nicht mehr stimmig ist.

Würden wir in einer Welt leben, in der sich Menschen diesbezüglich ihrer selbst bewusst wären, dann würde es Frust und Unstimmigkeiten weder in der Arbeitswelt, noch auf Projektebene geben. Denn die äußeren Auswirkungen, sind nur der Spiegel der vielen, oft unbewussten inneren Konflikte, die Menschen mit sich herum tragen. Niemand müsste sich ewig vor irgendwelche Karren spannen und niemand müsste für immer hinterher hinken. Es könnte eine Freude sein, wenn immer die, die gerade Motivation, Kraft und Ideen haben nach vorne gehen und dann im rechten Moment auch den Staffelstab weiter geben, um sich zu entspannen und sich daran zu erfreuen, dass es auch ohne sie geht.

Es würde sich ein Gleichgewicht im Geben und Nehmen einstellen, in jedem einzelnenen Menschen und damit in der ganzen Welt. Dieses Gleichgewicht, ist das, was wir verloren haben, zu dem wir zurück finden müssen. In anderen Worten ausgedrückt könnten wir es auch als Gleichgewicht zwischen männlichem und weiblichen Prinzip beschreiben, als harmonisches Zusammenspiel von Yin und Yang, von Anspannung und Entspannung – ein wunderbarer Tanz der Polaritäten.

Wie finde ich meinen Platz?

Foto: Grit Scholz

Grit Scholz http://www.lebensgut-verlag.de

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5 Kommentare zu “Wie finde ich meinen Platz?
  1. Avatar David sagt:

    Liebe Grit,
    dies ist ein sehr gigantischer Beitrag von Ihnen. Genau dies habe ich gebraucht für meinen Lebensweg. Weil ich an mir und meinen Entscheidungen gezweifelt habe. Möge ihr Botschaft in viele Herzen dringen.

    Ich wünsche Ihnen und dem Newslichterteam, sowie deren Lesern, einen wunderbaren Sonntag.

  2. Avatar Diane Landgraf sagt:

    Schön und klug geschrieben! Danke.

  3. Avatar Grit sagt:

    Danke für das schöne Feedback!

  4. Avatar Astra Nueva sagt:

    Liebe Grit
    ,…und das Schwerste dabei ist, seine Ängste zu erkennen, sich seiner in jedem Moment selbst bewusst zu sein in Wertschätzung zu sich selbst und seinen Mitmenschen und zur Erde und ihren Geschöpfen. Das erfordert absolute Ehrlichkeit, ja und auch Demut und vor allem Liebe, bedingungslos zu allen/m was ist.
    Ich danke dir für dieses wunderbare Ostergeschenk deines Artikels, der mehr aussagt, als 20 Fachbücher über Führung oder Psychologie.
    Deine Herzensweisheit spricht daraus, dafür 💓lichen Dank!
    Astra

  5. Avatar Monja P. sagt:

    Liebe Grit,
    ich möchte mich dem Kommentar von Astra Nueva dankbar anschliessen.

    Auch ich habe 9 Jahre in Gemeinschaft mit ca. 45 Menschen gelebt. Eine Lebenspanne die ich nie missen möchte. Du hast, meine dort gemachten Erfahrungen so auf den Punkt gebracht, das ist wirklich beeindruckend. Ich fühle mich von deinem Beitrag sehr beschenkt und werde ihn weiterempfehlen

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