FlowBirthing – Geboren aus einer Welle der Freude

Gedanken zum Internationalen Hebammentag 2020 von Anna Marguerita Schön. Kinderwunsch, Schwangerschaft, Stillzeit – wohl kaum ein Lebensabschnitt bringt uns näher an dieses Gefühl der Verbundenheit mit allem, was ist. Plötzlich trägt man ein ganzes Universum in sich; unter dem eigenen Herz schlägt noch ein zweites Herz, und aus Liebe wird Leben. Diese besondere Zeit trägt so viel Magie in sich, so viel Achtsamkeit, Freude und Kraft.

Umso wichtiger ist, dass Frauen in der Zeit der Schwangerschaft und während der Geburt genau die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Doch die Realität sieht leider oft anders aus, weiß Kristina Marita Rumpel, Mitinitiatorin des Netzwerks „FlowBirthing“: „Viele Geburtsabteilungen in Krankenhäusern haben geschlossen. Die Begleitung von vier bis fünf Gebärenden gleichzeitig ist für viele Hebammen trauriger Alltag. Immer mehr freie Hebammen haben aufgegeben und begleiten aufgrund der Versicherungskosten keine Hausgeburten mehr. Das hat zur Folge, dass viele Schwangere keine Hebamme mehr zur Vorsorge finden. Bei den Arztbesuchen steht die körperliche Entwicklung des Kindes im Vordergrund; das, was die Frauen wirklich bewegt, findet oft keinen Platz. Viele Fragen bleiben offen, und das ist ein Einfallstor für Unsicherheiten und Ängste. Keine gute Voraussetzung, um sich dann vertrauensvoll in den Geburtsprozess zu begeben.“

Geburtshilfe in der Krise – FlowBirthing als positive Gegenbewegung

Angesichts dieser dramatischen Situation in der Geburtshilfe suchen immer mehr Frauen nach Unterstützung für ihr Recht auf eine natürliche Geburt. FlowBirthing leistet wertvolle Aufklärungsarbeit und setzt sich mit innovativen Projekten und Angeboten für werdende Mütter und Eltern ein. Am 5. Mai 2020, dem Internationalen Hebammentag, feiert das FlowBirthing-Netzwerk seinen fünften Geburtstag.

„Mein Wunsch ist, dass die neue Geburtskultur in die Mitte der Gesellschaft findet. Vertrauen ist das A und O für eine schöne Schwangerschaft und leichte Geburt. Vertrauen ist ein Gefühl, das wachsen will“, so Kristina Rumpel. Für sie ist es ganz entscheidend, dass sich Frauen, weit weg von Ängsten und Fremdbestimmung, wieder vertrauensvoll, frei und erfüllt von innerem Wissen um die eigene Kraft auf das Erlebnis Geburt einlassen können. FlowBirthing fördert dieses Bewusstsein, die Weiblichkeit und die Fähigkeit zu gebären als Geschenk zu begreifen. Doch was genau verbirgt sich hinter FlowBirthing? Eine neue Geburtskultur, ein Netzwerk, eine Methode?

Kristina Rumpel Foto: Mankau Verlag

Wir haben Kristina Marita Rumpel dazu zum Interview getroffen.

Liebe Frau Rumpel, das FlowBirthing-Netzwerk für eine neue Geburtskultur wurde vor fünf Jahren gegründet. Wie würden Sie FlowBirthing in wenigen Sätzen beschreiben? Und welche Ziele und Visionen verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Kristina Rumpel: FlowBirthing ist keine neue Geburtsmethode. Vielmehr erhalten junge Frauen Zugang zu altem weiblichem Weisheitswissen, welches in einer zunehmend technisierten Welt immer mehr verschwindet, für natürliche Geburten aber nach wie vor wesentlich ist. Gefördert wird der weibliche Blick von innen nach außen, was zu völlig anderen Erfahrungswelten führt, die es Frauen ermöglichen, sich auf die Herausforderung einzulassen. Geburt ist dann eine Verbindungsarbeit und kein Trennungsvorgang. Gebären ist kein Projekt, sondern ein Prozess, der die werdende Mutter als Ganzes betrifft. Neben den körperlichen Bedürfnissen gilt es auch, die geistigen, emotionalen, seelischen und spirituellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. So kann Vertrauen und Zuversicht entwickelt werden in die Geburt und die Fähigkeit, aus eigener Kraft zu gebären. Mein Wunsch ist es, dass jede Frau gestärkt aus der Geburtserfahrung hervorgeht, denn es ist eine Auszeichnung, diese einzigartige Erfahrung des Lebens in der Essenz machen zu dürfen. Mit FlowBirthing wird Geburt zur Initiation in die weibliche Kraft, ein Prozess, der weit über die Geburt hinausstrahlt auf das Leben von Mutter und Kind – ja, auf die ganze Gesellschaft. Ich bin mir sicher: Wenn alle Kinder wieder im Vertrauen und in Liebe zum Leben und zur weiblichen Kraft geboren werden würden, wäre unsere Welt eine andere. Denn die Geburt stellt die Weichen für das ganze Leben.

Rund 500 FlowBirthing-Netzwerkpartner*innen stellen sich auf dem FlowBirthing-Portal vor. Welche Angebote erbringen sie – und wie kann man überhaupt Netzwerkpartner*in werden?

Kristina Rumpel: Der Netzwerkgedanke war bei FlowBirthing von Anfang an da. Denn es gibt nicht den einen Weg zur Traumgeburt. Es gibt nur den für Mutter und Kind stimmigen Weg. Somit war es mein Ziel, eine Vielzahl an förderlichen Angeboten für die Kinderwunschzeit, die Schwangerschaft und die Geburt an einem Ort sichtbar zu machen. Das Internet ist voll von ängstigenden Inhalten – im FlowBirthing-Netzwerk finden sich nur Angebote, die den Leitmotiven einer bewussten Schwangerschaft und Geburt im Vertrauen auf die weibliche Kraft entsprechen und Frauen auf ihrem Weg stärken: ein Strauß von Ideen von Aqua-Gymnastik über Doulas bis Zen-Meditation. Und natürlich die Angebote der FlowBirthing-Mentorinnen, die Schwangere von Frau zu Frau begleiten und Raum geben, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. NetzwerkpartnerIn kann werden, wer sich ebenfalls für eine neue Geburtskultur engagiert und entsprechende Angebote für schwangere Frauen hat. Auf dem Portal www.flowbirthing.de ist eine Onlineregistrierung kostenlos möglich. Die NetzwerkpartnerInnen erscheinen dann mit ihren Angeboten und ihrer Verlinkung auf eigenen Landingpages.

Welche konkrete Unterstützung bietet FlowBirthing für werdende Eltern? Wie können sich Frauen und ihre Partner am besten über das Angebot informieren?

Kristina Rumpel: Die Grundlage von allem ist mein Buch „FlowBirthing“, erschienen im Mankau Verlag. Es liefert alle wertvollen Informationen, die eine werdende Mutter braucht, um sich auf die Veränderungsprozesse einer Schwangerschaft und des Mutterseins einzulassen, Denken, Fühlen und Handeln in Übereinstimmung zu bringen und dann wie im Flow durch die Geburt gehen zu können. Das Buch ist so geschrieben, dass es herzöffnend wirkt und Angst in Vorfreude verwandelt. Dies unterstützt auch die FlowBirthing-Lebensmusik, die Vertonung des Vorwortes, welches so gesungen wurde, dass es als Meditation dient und ins Vertrauen führt. Die Musik findet sich als Download auf dem Portal wie auch auf der FlowBirthing-CD mit vertiefenden Texten, Mantren und Visualisierungen. Die positive Ausrichtung ist ein Schlüssel von FlowBirthing und ganz wunderbar mit dem Kartenset „Das Glück ist auf dem Weg“ in den Alltag integrierbar, welches in Zusammenarbeit mit Doula Sonja Edenhardter entstanden ist. Auf vielfachen Wunsch erscheint im Juni auch die Hörbuchfassung zum Buch – von mir eingesprochen und mit der die Frauen stärkenden weiblichen Energie. Auf dem Portal www.flowbirthing.de findet sich ein Blog mit alternativen Beiträgen rund um eine neue Geburtskultur – interessant für Eltern und in der Geburtshilfe tätige Frauen, da der weibliche Blick auf die tieferen Zusammenhänge, wie ihn FlowBirthing anlegt, einzigartig ist. Es geht um die Selbstermächtigung der Frauen, und somit finden die FlowBirthing-Kurse mit den FlowBirthing-Mentorinnen auch im Frauenkreis statt. Die werdenden Väter sind am Ende bei einer Sitzung dabei oder werden in einer Paarsitzung auf ihre Aufgabe als Geburtsbegleiter vorbereitet.

Es gibt inzwischen fast 60 Mütter, die bei Ihnen eine Schulung zur FlowBirthing-Mentorin absolviert haben. Was tun die Mentorinnen genau, und wie helfen sie werdenden Müttern während der Schwangerschaft und Geburt?

Kristina Rumpel: Das A und O ist Vertrauen. Es ist ganz normal, dass am Beginn einer Schwangerschaft Unsicherheiten, Sorgen, Ängste auftreten, da sich nicht nur körperlich, sondern auch im Leben der Frauen alles verändert. Die Natur hat zehn Monate für den Prozess des Sich- neu-Ausrichtens und Ins-Vertrauen-Findens vorgesehen. Doch dies geschieht nicht von allein. Dafür braucht es Zeit und Raum und die Möglichkeit, alle Fragen, die auftauchen, auch stellen zu dürfen und mit sich selbst bewusst umgehen zu können. Genau dies bieten die FlowBirthing-Mentorinnen. Sie stellen das Erleben einer jeden Schwangeren in den Mittelpunkt und begleiten sie von dort, wo sie ist, Schritt für Schritt auf den für sie stimmigen Weg. Jede Frau weiß, wie ihr Kind sicher geboren werden kann, wenn sie sich selbst und ihrer Intuition vertrauen lernt und in Kontakt mit dem Baby im Bauch ist. Diesen Verbindungsaufbau fördern die FlowBirthing-Mentorinnen und geben der Schwangeren jenes Wissen an die Hand, welches sie innerlich stärkt und sie guter Hoffnung sein lässt. Aufgrund der Überbelastung der Hebammen ist hier ein Vakuum entstanden, welches die FlowBirthing-Mentorinnen füllen. Sie sind einfach da und begleiten von Frau zu Frau. Ein großes Geschenk!

Auf welche Erfolge kann FlowBirthing inzwischen zurückblicken, und was ist an Aktivitäten und Initiativen für die Zukunft geplant?

Kristina Rumpel: FlowBirthing wurde gleich im ersten Jahr mit dem Health Media Award ausgezeichnet – für herausragende und nachhaltige Kommunikation im Bereich Frauengesundheit. Und das ist trifft es genau: FlowBirthing ist seiner Zeit voraus und ein Leuchtturm. Es freut mich, dass immer mehr Frauen zu FlowBirthing finden und es inzwischen so viele wundervolle Geburtsberichte von kraftvollen, würdevollen, leichten, ja ekstatischen Geburten gibt, die nicht selten auch Hebammen und Ärzte staunend machen. Mich bewegt sehr, dass vor allem jüngere Frauen sich wieder für das alte weibliche Weisheitswissen interessieren und sich Geburt als Initiation in die weibliche Kraft und als bestmöglichen Start ins Muttersein nicht mehr nehmen lassen wollen. All die FlowBirthing-Mentorinnen sind zu mir gekommen, weil sie entweder selbst so eine wundervolle Geburt in Anbindung an die weibliche Kraft hatten und diese Erfahrung unbedingt weitergeben wollten – oder selbst eine traumatische Geburt erleben mussten, bevor sie aufwachten und jetzt alles über die kraftvolle Art des Gebärens erfahren wollen. Der Austausch mit den Frauen in den Schulungen ist unbeschreiblich stärkend und nährend und zeigt mir: Wir sind auf dem richtigen Weg. Mein Wunsch ist, dass die neue Geburtskultur in die Mitte der Gesellschaft findet – derzeit ist es eine Nische von etwa vier Prozent. Für die Zukunft heißt es: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung – bei FlowBirthing-Cafés, Webinaren im Internet und einem großen FlowBirthing-Festival, wo wir Frauen gemeinsam das Weiblichsein und das gemeinsame Wirken im weiblichen Feld zum Wohle des Ganzen feiern. Ich bin fest davon überzeugt: Peace on earth begins with birth.

Was ist Ihr ganz persönlicher Wunsch für die Zukunft unserer Geburtskultur?

Kristina Rumpel: Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass Frauen wieder in Vertrauen auf ihre weibliche Kraft gebären können. Dass sie sich den Geburtsort, die Geburtsbegleitung, die Eins-zu-eins-Betreuung frei wählen können. Geburt in Angst, Gewalt während der Entbindung sowie Geburtstraumata sollen der Vergangenheit angehören, stattdessen sollten die Frauen in Würde und als Meisterinnen der Geburt den Start des neuen Lebens feiern können. Meine Vision: Jedes Mädchen wächst von klein auf mit der Vorfreude im Herzen auf, dass sie diese einzigartige Lebenserfahrung und Auszeichnung der Natur, die eine Geburt ist, einmal erleben kann. Eine Erfahrung, die sie stärkt und beflügelt. Das ist der Beginn einer Welt, die die Kultur des Leidens hinter sich gelassen hat und den Weg der Freude geht.

Liebe Frau Rumpel, vielen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit diesem schönen und wichtigen Projekt!

Weitere Informationen zu FlowBirthing finden Sie unter

FlowBirthing-Netzwerk: www.flowbirthing.de
FlowBirthing bei Facebook: www.facebook.com/flowbirthing

Verschiedene Publikationen von Kristian Rumpel im Mankau Verlag hier

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2 Kommentare zu “FlowBirthing – Geboren aus einer Welle der Freude
  1. andrea sagt:

    vielen dank für diesen beitrag. und noch mehr DANKE für die unfassbar wertvolle arbeit der hebammen, die damit gewürdigt wird. meine tochter erwartet in diesen tagen ihr erstes kind und ich bin froh und dankbar, dass ihr dort in der ferne zwei hebammen zur seite stehen und mutig genug sind, ihr auch in dieser zeit ein selbstbestimmtes und behütetes geburtserlebnis zu ermöglichen. möge dieses wirken auch über diesen tag hinaus anerkennung, wertschätzung und unterstützung erfahren!

  2. Felix sagt:

    Ja Andrea, Kristian und Bettina und Team: eine sehr wertvolle Sache. Als gebürtiger NLer kenne ich nur Hausgeburten. Es ist die normalste und schönste Sache der Welt.

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